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Zwölf Katzen
Auf dem Neuenhof bei Gelnhaar ließ der Pächter Branntwein brennen und nahm dazu vier Gesellen in Dienst. So oft die nun abends beim Kessel standen, kamen zwölf Katzen herein und setzten sich in einer Reihe auf eine Bank. Die Gesellen hatten ihre Freude daran, streichelten sie und lobten sie, was sie für artige Kätzchen wären. Nur einem von den vieren kam die Sache nicht ganz richtig vor, und als eines Abends die drei anderen beim Kessel eingeschlafen waren, tat er, als ob er auch fest schlafe, und gab genau auf die Katzen acht. Es dauerte auch nicht lange, so fing die älteste und größte, die obenan saß, zu sprechen an und fragte die anderen: »Schlafen sie?«
»Sie schlafen!«, antworteten die übrigen Katzen.
Und nun besprach es die Alte mit ihnen, dass sie des folgenden Abends die vier im Schlaf umbringen wollten. Des anderen Tags aber erzählte der Geselle alles seinen Kameraden. Als des Abends die zwölf Kätzchen wieder in einer Reihe auf der Bank saßen, schöpfte sich jeder einen großen Löffel voll kochenden Wassers und goss es über sie, sodass die größte am meisten verbrannt wurde, die anderen jedoch auch ihr richtiges Teil bekamen. Sie liefen alle mit furchtbarem Geschrei davon, und des anderen Morgens lagen in einem Ort, zwei Stunden vom Neuenhof entfernt, zwölf Weiber im Bett und waren übel verbrannt. Die Älteste davon war so zugerichtet, dass sie nach drei Tagen den Geist aufgab. Sie war es, welche die elf andern angestiftet hatte, weil sie von den vier Burschen verhöhnt und eine Hexe gescholten worden war.
Quellen:
- Johannes Wilhelm Wolf, Hessische Sagen, Leipzig, 1853
