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Die beiden Katzen
Ein Bursche wollte sich bei einem Bauer verdingen.
Der warnte ihn endlich und sprach: »Ich rate dir’s nicht, so viele Knechte hab ich schon gehabt und keiner hat die dritte Nacht überlebt.«
Der Bursche aber fürchtete sich nicht und sagte, er wolle es wagen. Es war aber zufällig von denen einer, über die kein Zauber Gewalt hatte. In der dritten Nacht blieb er wach, stellte sich aber schlafend. Da sah er bald zwei schwarze Katzen sich gegenüber, ihm zu Haupte und zu Füßen sitzen.
Die eine sagte »Er bevt«, die andere »Er bevt nicht«, die eine wieder »Er bevt«, die andere »Er bevt nicht« und so weiter und so fort. Das heißt in ihrer Hexensprache: Er schläft.
Als es ihm zu lange währte, sprang er auf, nahm sein Messer und hieb der einen eine Pfote, der anderen eine Kralle ab, worauf sie entwichen. Die zwei Gliedmaßen aber wickelte er in ein Tüchlein und brachte sie morgens hinunter. Da fand er des Bauern Weib und Schwester im Bett und unpässlich. Als der Knecht ihnen die Decke kurz und gut herunterzog, fehlte der einen eine Hand, der anderen ein Finger. Da tat er sich mit dem Bauern zusammen, sie machten hinter dem Haus ein großes Feuer und verbrannten die beiden zu Asche.
Quellen:
- Johannes Wilhelm Wolf, Hessische Sagen, Leipzig, 1853
