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Hexe als Schwein
In Bensheim lebte ein Bauer, den das Unglück so verfolgte, dass er bald aus einem reichen ein armer Mann wurde. Was er säte und pflanzte, ging zugrunde, und sein Vieh fiel, ein Stück nach dem anderen, sodass er endlich wohl sah, dass es hier nicht mit rechten Dingen zuging. Als er nun eines Abends spät noch ausging, um für seine Frau, die gerade im Kindbett lag, etwas in der Apotheke zu holen, hörte er über sich in der Luft eine, wie es ihm schien bekannte Stimme sprechen: »Nein, das darf ich ihm nicht antun, er hat ja weiter nichts mehr, als das Kind.«
Als er nach Hause kam, sagte er zu seiner Frau, sie solle das Kind heute Nacht zu sich nehmen, er selber legte einen alten Säbel zu sich ins Bett und blieb wach. Um zwölf Uhr ging die Tür auf, eine große Sau kam herein, schnüffelte an der leeren Wiege herum und lief dann auf das Bett zu, wo die Frau mit dem Kind lag. Da sprang der Mann heraus und hieb mit dem Säbel nach dem Schwein, welches laut grunzend floh. Des anderen Morgens sah der Bauer eine abgehauene Hand in der Stube liegen, mit dem Ring seiner Mutter daran. Er lief zu seiner Mutter, fand sie noch im Bett und zog die Decke weg da war ihr linker Arm mit blutigen Lappen umwickelt und die Hand war fort.
»Ach Mutter«, sprach er, »warum habt ihr mich zu einem so elenden Mann gemacht?«
»Schweig nur still«, sagte sie, »es soll ja alles wieder anders werden, ich bin nur dazu gezwungen worden.«
Von dem Tage an ging es mit dem Bauern wieder vorwärts, die alte Frau ist aber seitdem ohne Hand herumgegangen.
Quellen:
- Johannes Wilhelm Wolf, Hessische Sagen, Leipzig, 1853
