<<< vorherige Sage | Hessische Sagen | nächste Sage >>>
Die Tanzwiese bei der Milseburg
Am Fuß der Milseburg liegt eine Wiese, auf welcher einst in gewissen Nächten die Hexen ihre Tänze und ihre Mahle hielten. Ein Ritter von einer nahen Burg wurde von ihnen zu dem Tanz verlockt und er fand so große Wonne daran, dass es seitdem ihn jeden Abend zu ihnen zog, wo er sich dann ganz der Lust überließ. Seiner Frau fielen bald diese heimlichen Gänge auf, sie schlich ihm nach und kam mit ihm zugleich an. Als sie sich mit im Tanz drehte, trat er zu ihr, ohne dass er sie erkannt hätte, fasste sie und raste in tollem Wirbel mit ihr umher. Dann sprach er seufzend: »Wie viel wollte ich darum geben, wenn ich dich, Schönste, für immer besitzen könnte!«
Da sprach sie mit fröhlichem Blick: »So schaue mich doch recht an. Hast du mich nicht für immer und bin ich nicht ganz dein eigen?«
Da wurde des Ritters Auge klar und er sah voll Beschämung sein Weib vor sich. Seitdem ging er nie mehr zum Tanz der Hexen und blieb ihr treu bis in den Tod.
Quellen:
- Johannes Wilhelm Wolf, Hessische Sagen, Leipzig, 1853
