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sagen:hsw100

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Die verschwundene Braut

In Gundernhausen fand einst eine Hochzeit statt und alles ging lustig her, was gibst du, was hast du. Gegen Abend vermisste man plötzlich die Braut, man suchte sie aller Orten und Enden, aber sie war nicht zu finden. Die ganze Umgegend wurde durchforscht und durchfragt. Niemand hatte die junge Frau gehört oder gesehen. Zwei Tage waren ihr Mann, ihre Eltern und Verwandten in der größten Angst und Not um sie und wussten gar nicht, was zu machen sei. Da kam ein Bekannter aus einem benachbarten Dorf zu ihnen, nahm den Bräutigam zur Seite und sprach: »Du, geh mit mir, heut noch müssen wir erfahren, was aus ihr geworden ist.«

So führte der Mann ihn mit sich fort nach Darmstadt zum damaligen Scharfrichter Schönbein, das war ein durch und durch gescheiter Mann, und den baten sie um Rat.

»Ich muss mit euch an Ort und Stelle«, sagte Schönbein.

Es wurde rasch ein Wagen angespannt und fort ging es gen Gundernhausen. Da ließ der Scharfrichter einen Eimer Wasser bringen und vor die Haustür stellen. Er schaute lange hinein, dann sprach er: »Die arme Seele ist weit von hier, es ist ihr angetan, und sie steht eben in Aschaffenburg und schaut in den Main. Eilen wir hin, wir müssen sie nicht weit von da finden.«

Sofort machten sich die zwei Männer auf den Weg nach Aschaffenburg, da folgte der Scharfrichter ihrer Spur vom Main nach und sie fanden die Arme im schönen Tal, wo sie wie ganz geistesabwesend herumirrte. Als ihr Bräutigam sie in seiner Freude laut beim Namen rief, kam sie wieder zu sich, stürzte ihm in die Arme und wusste gar nicht, dass sie so weit weg von Zuhause war.

Später hat es sich herausgestellt, dass ein Mädchen aus dem Ort, welches der junge Bauer vorher geliebt hatte, ehe er seine Frau kennenlernte, aus Rache der Braut den Streich gespielt hat.

Quellen:


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