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sagen:hsw095

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Das weiße Mäuschen

Ein junger Mensch in Hirschhorn wurde allnächtlich vom Alb heimgesucht. Seine Mutter konnte das zuletzt nicht mehr ansehen und suchte Rat dagegen, den sie auch bald fand. Sie verabredete sich mit ihrem Sohn, er solle ihr ein Zeichen geben, wenn er des Albs Ankunft gewahre, breitete, als er abends im Bett lag, ein weißes Tuch über ihn und hielt sich in der Nähe. Es dauerte nicht lange, so schlüpfte der Alb durch das Schlüsselloch herein, der Sohn gab das Zeichen und war im selben Augenblick auch schon seiner ohnmächtig, fing an zu seufzen und zu wimmern. Da sprang die Mutter hinzu, schlug rasch die vier Zipfel des weißen Tuches zusammen und legte es in eine Schublade der Kommode. Den Schlüssel ließ sie stecken. Zugleich atmete ihr Sohn tief auf, als ob eine zentnerschwere Last von seiner Brust genommen sei. Daraus ersahen sie, dass es ihnen geglückt war, den Alb zu fangen.

In derselben Stunde aber starb in Erbach plötzlich ein Mädchen, ohne dass man wusste, was für eine Frechheit es gehabt haben könne. Es ward gekleidet und auf Bahre gelegt und sollte begraben werden. Da traf sich es, dass der Bursche in Hirschhorn, der schon zwei Nächte vom Alb frei geblieben war, am dritten Tag zufällig den Schlüssel von der Schublade abzog, worin das Tuch lag. Sogleich schlupfte ein weißes Mäuschen aus dem Schlüsselloch und lief zur Tür hinaus. Zur selben Stunde wollte man den Sarg des Mädchens in Erbach schließen, da fuhr ein weißes Mäuschen zur Tür herein und in den Mund der Toten, welche alsbald die Augen weit öffnete und nicht wenig erstaunt war, sich im Sarg zu finden.

Quellen:


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