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Die Atzel
In Niederbeerbach wohnte ein Bauer, der hatte zwei Knechte und die schliefen im Stall. Der eine von ihnen wachte eines Sonntags früher als gewöhnlich auf und bemerkte, dass der andere sehr ächzte und keuchte. Da weckte er ihn auf und fragte ihn, was ihm fehle.
»Ach«, sagte der andere, »es hat mich auf der Brust gedrückt und gezwickt. Das war der Alb, der mich so oft peinigt und quält.«
»Wir wollen ihn fangen«, sprach der Erste, und das war abgemachte Sache.
Am folgenden Morgen stand dieser früh auf und der andere tat so, als ob er schliefe. Als nun die Mahr kam und ihr Spiel wieder beginnen wollte, da fuhr der Erste mit der Mistgabel über des Zweiten Brust umher. Im selben Augenblick flatterte es und es war, als ob eine Atzel in der Ecke des Kämmerchens schrie.
»Schlag zu, da ist sie!«, rief der Zweite, aber da schrie die Atzel in der Scheune und immer aus einer andern Ecke heraus, wenn sie ihr nahe zu sein glaubten. Endlich sprang die Atzel aus der Scheune heraus und in den Garten, wo die beiden Burschen sie noch lange mit Flinten verfolgten, um sie zu erschießen. Aber daran war nicht zu denken und sie entwischte ihnen trotz aller Mühe, welche sie sich gaben.
Quellen:
- Johannes Wilhelm Wolf, Hessische Sagen, Leipzig, 1853
