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sagen:hsw056

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Vom Kloster Steinbach

Dies liegt ein paar Büchsenschuss vom gräflich erblichen Schloss Fürstenau und verfällt immer mehr und mehr. In der Kirche liegen uralte Grabsteine, Wappen, alte Schlitten, Wagenräder und anderes bunt durcheinander und nach den alten Fresken an den Wänden haben die Bauernknaben so lange mit Steinen geworfen, dass kaum mehr etwas davon übrig ist. Jetzt ist sie durch ein Tor verschlossen und selten kommt noch jemand hinein. Nachts hörte man oft dort einen feinen Gesang, wie von drei Stimmen. Viele auch haben drei Gestalten gesehen, welche aus der Kirche oder dem anstoßenden Gebäude, das der Pfaffengang genannt wird, kamen, durch den umliegenden Baumgarten schwebten und verschwanden.

Ein Mann, der spät abends an der Klostermauer vorbeiging, sah eine Nonne in weißen Gewändern da stehen, die war so wunderschön, dass kein Maler etwas Schöneres malen kann.

Dieselbe Nonne erschien auch einer Frau, welche in der Nähe wohnte, aber mit ganz grauem, verwittertem Gesicht, so etwa, als ob es mit Spinngewebe überzogen gewesen wäre, und bat sie, ihr doch zu ihrer Erlösung zu verhelfen. Die Frau wollte das gern und bat die Nonne ihr zu sagen, wie es geschehen könne. Die Nonne sprach: »Komm die Nacht zwischen elf und zwölf in den Pfaffengang, da will ich dir es sagen.«

Das war der Frau doch gar zu schauerlich und sie sagte: »Ich will gern kommen, aber ihr müsst mir erlauben, dass ich jemand mitbringe.«

Da seufzte die Nonne und erwiderte: »Das darfst du wohl, aber es darf nichts Unreines sein, sonst ist alles umsonst.« Mit den Worten verschwand sie.

Die Frau hielt Wort und kam zur bestimmten Stunde in Begleitung ihrer Nachbarin. Als sie auf den Hof des Klosters kamen, stand die Nonne schon in der Tür des Pfaffengangs. Da winkte die Frau der Nachbarin, etwas zurückzubleiben und ging allein auf die Nonne zu.

Doch da jammerte diese laut auf. »Du hast ein Unreines mitgebracht und jetzt kann ich auf lange Zeit nicht mehr erlöst werden.« Zugleich war sie verschwunden.

Einige Zeit später erfuhr die Frau, dass ihre Nachbarin in Unzucht mit einem Mann aus dem Dorfe lebe und das hatte die Erlösung gestört.

Vor ein paar Jahren sah ein Bursche die Nonne, wie sie ein Bund Schlüssel in der Hand trug und es ihm darreichte. Er fürchtete sich aber und lief fort, ohne es anzunehmen.

Oft hört man nachts Lärm im Kloster, als ob alles darin untereinander geworfen würde, findet aber morgens alles in der besten Ordnung vor.

Einem Mädchen in Weidengesäß erschien die Nonne dreimal um Mitternacht und versprach ihm die ewige Glückseligkeit, wenn es mit ihr ins Kloster gehen wolle. Dabei klagte sie sehr darüber, dass sie jetzt schon seit 500 Jahren zwischen Himmel und Erde schweben müsse. Das Mädchen aber schlug es ihr dreimal ab, worauf sie wehklagend verschwand.

Vorn an dem Pfaffengang nach Fürstenau zu ist ein langer Strich Gras, der im Winter keinen Schnee duldet Als einmal ein Mann aus Steinbach sich im Sommer zwischen elf und zwölf Uhr mittags dort hinlegte, um zu schlafen, spürte er einen köstlichen Geruch, wie von gutem Wein und duftenden Kräutern.

Vor dem Tor der Klosterkirche hat einmal ein anderer Mann gegraben und stieß auf einen Hasen. Als er denselben öffnete, war er voll junger Raupen. Er sah ihnen eine Weile zu, wie sie durcheinander krochen, dann ließ er den Hasen stehn und ging nach Hause, wo er seiner Mutter von dem Fund erzählte. Da sprach diese: »Geh rasch hin und hole sie, es ist ein Schatz und unser aller Glück.« Da eilte er, was er konnte, aber als er an den Ort kam, da war von dem Hasen und den Raupen keine Spur mehr zu sehen.

Quellen:


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