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Der Altenburgkeller bei Nidda
Auf der Altenburg bei Nidda geht eine Frau im weißen Gewand um, die schaut gar milde und freundlich drein, grüßt diejenigen, welche ihr begegnen, und bietet ihnen eine Blume an. Die meisten hatten den Mut nicht, die Blume anzunehmen, nur ein armer Mann wagte es einmal. Da ging die weiße Frau vor ihm her und sie kamen an ein großes Tor. Er hielt seine Blume an das Schloss, die Torflügel öffneten sich und die weiße Frau führte ihn in den Keller der Burg, wo große Fässer voll edlen Weines in langen Reihen lagen. Da dachte der Mann, er wolle sich ein wenig stärken und laben. Solchem Wein begegne man nicht oft, dann sei es noch Zeit, den Schätzen nachzugehen. Und er stieß mit seinem Messer einen Pfropfen ein, steckte den da liegenden Krahn in das Loch und zapfte und trank lustig zu, bis der Kopf ihm schwer wurde. Da meinte er, jetzt sei es Zeit, zu gehen, es werde ja spät, und er taumelte weg. In dem Augenblick rief eine Stimme: »Freund, vergiss das Beste nicht!« Aber er hörte nicht darauf, stieg die Treppen empor und sank oben schlaftrunken auf einen Stein. Als er aufwachte, war die Frau fort und die Blume war fort und der Eingang zum Keller nicht mehr zu finden, und er hatte sein Glück ganz und gar verscherzt.
Winkelmann erzählt auch, es seien auf der Altenburg große Schätze vergraben. Einige Bewohner von Nidda suchten einmal danach, doch fanden sie nur Hufeisen, welche so gemacht waren, dass man sie den Pferden verkehrt aufschrauben oder annageln konnte.
Quellen:
- Johannes Wilhelm Wolf, Hessische Sagen, Leipzig, 1853
