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Des Rodensteiners letzter Auszug
Dieser fand im Jahr 1848 statt, etwa 14 Tage vor dem Ausbruch der Revolution in Paris. Eines Morgens kamen Leute zu dem Bürgermeister von Reichenbach, welche meldeten, der Rodensteiner, der seit Menschengedenken ruhig gewesen sei, habe von sich wieder hören lassen und sei mit dem gewohnten Getöse, unter Wagengerassel, Hundebellen und anderes durch die Luft nach dem Schnellerts gezogen. Der Bürgermeister wollte anfangs nichts darauf geben, aber die Leute beschworen es hoch und heilig. Daraufhin sagte er es dem Pfarrer und bat ihn, er möge es doch in die Zeitung setzen lassen. Dieser lachte über die Sache und sagte, es sei Aberglauben. Aber der Erfolg hatte das Gegenteil bewirkt.
Als 1850 der Kampf gegen die Aufständischen sich dem Ende zuneigte, kamen andere Leute zu dem Bürgermeister und erzählten, dass in der vergangenen Nacht das Spektakel wieder angefangen habe und es so gewesen war, als ob ein ganzes Heer durch die Luft toben würde. Damals hatte der Pfarrer es in der Zeitung angezeigt, und mancher Leser dieser Blätter erinnert sich dessen wohl noch. Die fünf letzten Male ging der Zug des Heeres vom Schnellerts aus und wandte sich dem Rodenstein zu, wie es jedes Mal der Fall war, wenn ein Krieg in Deutschland zu Ende ging.
Quellen:
- Johannes Wilhelm Wolf, Hessische Sagen, Leipzig, 1853
