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Der Schnellertsgeist
Ich bin gar kurzatmig und spare die Worte. Zudem habe ich es nicht weit mehr bis ans Grab. Darum spreche ich gern die Wahrheit und was ich erzähle, das kann mir jeder glauben. Ich habe einmal auf dem Schnellerts gearbeitet und mein Kamerad war nicht weit von mir, sodass wir zusammen über Dies und Jenes plauderten. Da hörte ich plötzlich, wie es da, wo man jetzt die alten Mauern sieht, raschelte und rauschte, als ob ein Reh in einem Haufen dürrer Blätter herumspränge. Ich werfe rasch die Hacke weg und eile auf die Stelle zu, aber da war nichts zu hören noch zu sehen. »Du«, sagte ich zu dem anderen, »hier stimmt etwas nicht.«
Da kam er und sah selbst nach.
Ich sah ihm an, dass er Angst hatte, und sprach darum: »Lass ihn rascheln, wir wollen wieder an die Arbeit.«
Nach einer Weile hörte es sich an, als ob ein Wagen, aus dem ein Dutzend Kerle kleine Steine würfen, vorbeifahren würde. Wir hörten ganz deutlich die Räder über den Boden rollen und die Steine fliegen.
»Da ist der Spitzbub schon wieder!«, rief ich, als der Lärm vorüber war, und mein Kamerad hatte es auch gehört, denn er war totenblass und sprach kein Wort.
Ich aber, ein mutiger junger Bursche, schrie keck, so laut ich konnte: »Oh, du Teufel, so komm auch zum dritten Mal, dreimal ist Bubenrecht!«
Da aber fuhr ein Wirbelwind daher, der packte uns, dass wir nicht anders glaubten, als würden wir mit fort in die Luft gerissen und schrien, als stecke uns schon ein Messer in der Kehle. Wir ließen die Hacken und Beile liegen und liefen, so schnell wir konnten, ein Stück des Weges bergab, wo andere arbeiteten, denen wir alles erzählten. Diese hatten auch alles gehört und es dauerte lange, bis sich wieder einer auf die Spitze de Berges wagte.
Quellen:
- Johannes Wilhelm Wolf, Hessische Sagen, Leipzig, 1853
