<<< zurück | Brennendes Gold | weiter >>>
Ein güldenes Geschmeide
Sagensammlung von M. Rothe
Seit undenklichen Zeiten erzählen die alten Leute eine Begebenheit, bei der es um das Auffinden eines uralten güldenen Geschmeides geht. Früher, als noch die großen, alten Bäume in den Wäldern durch die Klafterschläger geschlagen und die Stubben später durch die Pechknechte für die Pechgewinnung gerodet wurden, stießen einmal zwei Pechknechte in der Gegend der Königsbrücke in der Nähe von Grünhaus auf solch große Stubben, wie sie wohl vordem noch keine hatten roden sollen.
Rund um die Stubben war das Erdreich durch die Wurzeln der Bäume so hochgedrückt, daß man schon einen richtigen kleinen Erdhügel glaubte zu erkennen. Die beiden Pechknechte waren schwere Arbeit gewöhnt und so zögerten sie nicht lange und fingen an, die Wurzeln der Stubben freizulegen. Als das getan war, griffen sie zur Axt und schlugen die Wurzeln durch. Dann holten sie ihre Taue und das ihnen zur Arbeit mitgegebene Pferd heran, banden die Taue um den Wurzelstock und versuchten, die Stubben herauszuziehen. Es war eine schwere Plackerei. Mal ging es etwas leichter und manchmal schwerer.
Ein besonders großer Stubben hatte es ihnen aber angetan. Es kostete viel Schweiß und Mühe diesen alten Wurzelstock herauszuziehen. Als der Stock dann endlich draußen lag, sahen die beiden Männer, daß unzählig viele braune und graue Tonscherben und ein güldenes Geschmeide in dem Wurzelwerk hingen. Die auf die entstandene Lichtung hineinfallenden Sonnenstrahlen ließen das Geschmeide so stark glitzern, daß die beiden Pechknechte für einen Augenblick sogar die Augen schließen mußten, um nicht geblendet zu werden. Rasch packten sie das Geschmeide in einen Lappen ein und beratschlagten was nun zu tun sei. Ihr Gewissen riet ihnen, es dem Pechmeister zu melden, doch der Wunsch war eigentlich es zu behalten und zu verkaufen. Doch wo sollte ein Pechknecht solch ein Geschmeide her haben, wenn jemand beim Verkauf danach fragen sollte. Man würde sie des Diebstahls bezichtigen. Also sagten sie es dem Pechmeister. Dieser gab ihnen jeweils einen Thaler als Finderlohn und riet ihnen, über diesen Fund nicht zu sprechen.
Was aus diesem güldenen Geschmeide geworden ist, ist nicht bekannt. Jedoch kursierte bald darauf das Gerücht, daß der Pechmeister in Dresden eine große Erbschaft gemacht und sich dort zur Ruhe gesetzt hätte.
Quelle: Sagen aus dem Heimatkreis Finsterwalde 2022. Nr. 13
