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Eine Braut, die dem Bechtelsberg einen Besuch abstattete

Ein Bursche aus Berfa wollte heiraten und hatte eine Braut, die er oft besuchte. Das geschah eins auch am Walpurgisabend, als sich seine zukünftige gerade zurecht machte, den Hexenplatz auf dem Bechtelsberg zu besuchen. Sie bestrich sich mit einer Salbe und sagte das Sprüchlein dazu: „Ich schmiere mich mit Hexenflieder und stoß’ an keiner Ecke wider.“ Sofort ging’s zum Schornstein hinaus und zum Bechtelsberg hinauf. Das Hexlein hatte aber in der Eile das Glas mit der Hexensalbe stehen gelassen. Der erstaunte Bräutigam bestrich sich nun ebenfalls mit der Zaubersalbe, sagte aber, weil er’s im Schreck nicht genau gehört hatte: „Ich schmiere mich mit Hexenflieder und stoß’ an alle Ecken wider!“ Nun fuhr auch er zum Schornstein hinaus, aber er rumpelte sich an allen Ecken und Enden und kam nur mit vieler Mühe endlich auf dem Bechtelsberg bei den Hexen an. Hier wurde er sogleich als Musikant angenommen und musste zum Hexentanz aufspielen. Sein Instrument war eine schöne neue Trompete, auf der er blasen musste: „Ich blase hier beim Hexentanz und tret’ der Katze auf den Schwanz, die Haare blas’ ich ihr all’ weg, o schau sie an, der Katzenjeck!“ Als endlich der Tanz zu Ende ging, erhielt er die Trompete als Geschenk und noch ein Ranzen voll Kräppeln dazu. Sein Reitpferd aber war ein dreibeiniger Ziegenbock. Beim reiten durfte er aber nichts denken und nicht sprechen. So kam er vor ein großes Wasser. „Ach, wenn ich erst über das Wasser wär’,“ dachte er. In dem selben Augenblick tat der Ziegenbock einen kirchturmhohen Sprung und unser Reiter lag, unsanft abgesetzt, am anderen Ufer im Dreck. Sein Reitpferd aber war auf und davon. Unterdessen hatte er Hunger bekommen. Er öffnete seinen Ranzen, um sich an den geschenkten Kräppeln zu laben, aber – im Ranzen lagen faule Kartoffeln anstatt der Kräppeln und statt der Trompete eine tote Katze, welcher er die Harre fortgeblasen hatte. Nun trat er „verhext“ und traurig zu Fuß den Weg nach Hause an. Kaum aber lag er im Bett, so fing das Möbel an, in der Kammer herumzufahren und auch sein Bett machte diese Reise mit, wobei er sich schändlich den Kopf an den Wänden stieß. Unwillig rief er aus: „Fahren, wer da fahren mag, ich fahre nicht mehr mit!“ Da stand das seltsame Fuhrwerk still.

Quelle: www.berfa.de (abgerufen am 28.03.2025)


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