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Die weiße Gans
Edmund Veckenstedt: Wendische Sagen, Märchen und abergläubische Gebräuche. Leuschner & Lubensky, Graz 1880
Auf dem Beltener Felde haben oft Leute, welche nach Belten oder Koßwig gingen, um die Nachtzeit eine weiße Gans gesehen, welche aber stets am Flussbrückchen bei Belten verschwand.
Einst gingen ein alter Bauer und alte Frau von Koßwig nach Belten. Es war gerade wunderschöner Mondschein, auf einmal läuft eine weiße Gans langsam vor ihnen her. Da sagte der alte Mann: „Die Gans nehmen wir mit nach Hause, wir wollen sie langsam vor uns hertreiben.“ Der Frau gefiel das. Deshalb jagten sie die Gans vor sich her, als sie aber an das Brückchen kamen, war dieselbe plötzlich verschwunden. Da sagte der Bauer: „Stell dich an der andern Seite der Brücke auf, die Gans ist unter der Brücke; ich werde von dieser Seite aus unter die Brücke kriechen, wir wollen die Gans schon greifen.“ Darauf kroch er unter die Brücke.
Der Mond schien so hell, dass man alles dort unten sehen konnte, aber die Gans war verschwunden.
Quellen:
- Gisela Griepentrog, Spreesagen, Verlag Berlin-Brandenburg 2016, Seite 240;
- Aufgespürt und aufgeschrieben vom Radduscher Ortschronisten Manfred Kliche im Vettschauer Mitteilungsblatt 11/2019
