Die Gründung des Klosters Schwarzenbroich
Das älteste anschauliche Zeugnis findet sich in der Schrift des Schwarzenbroicher Konventualen (Mitglied eines klösterlichen Konventes) Franziskus Thomas Frank aus dem Jahre 1627. Er war einer von zwei Mönchen der ein 18 Blätter umfassendes und in Köln erschienenes Büchlein "Origo monasterii vallis sancti Mathiae ordinis sanctae crucis et vita fundatoris eiusdem monasterii d. Werneri baronis Meroedensis sapientissimi et nobilissimi"; die Beschreibung der Gründung Schwarzenbroichs durch Graf Werner von Merode.
Als der so vortreffliche und angesehene Baron Werner von Merode einst der Jagd oblag, wollt er, ermüdet von der Hitze des Tages, sich durch einen Schlaf etwas erquicken und geriet an eine Stelle schauerlicher und öder Einsamkeit, welche wegen des Dickichts des Waldes und des Dornengesträuches damals den Menschen unzugänglich war und allein von wilden Tieren bewohnt wurde. Als er ein wenig geschlafen hatte, hatte er ein Traumgesicht, und er sah einen Mann von hoher Gestalt, edlem Antlitz, mit langem Bart, bekleidet mit einem Mantel von weißer Farbe,, und bei ihm war eine große Menge Mönche aus dem Orden der Kreuzherren, die niemand zählen konnte. Als der edle Herr über die Neuheit der Erscheinung stutzte, trat jener Mann zu ihm herbei und sprach: „Kennst du mich?“ Jener antwortete: „Nein wer bist du denn, und wer sind die Mönche, welche, mit einem Kreuze bezeichnet, bei dir sind?“ - „Ich bin“, sprach der Mann, der Apostel Matthias, einer von den Zwölfen, der an die Stelle des Verräters Judas von den Aposteln durch das Los gewählt wurde. Ich bin aber zu dir gesandt, um dir den Willen Gottes kundzutun.„ - Jener sprach: „Herr was willst du, das ich tun soll?“. Darauf der Heilige:“ Dein Gebet ist erhört und dein Almosen angenehm befunden worden vor den Augen Gottes. Es ist der Wille Gottes, dass du an dem Orte, wo du deine ermüdeten Glieder erquickt hast, zur Ehre meines Namens ein Kloster baust und die Mönche dieses Ordens, welche du jetzt bei mir siehst, in dieses einführest.„ Nach diesen Worten verschwand er. Zu selben Zeit, als der edle Herr dieses Gebiet gehabt hatte, sah seine Ehegattin, die adelige Dame Elisabeth von Merode, die gleiche Gestalt, die ihr dasselbe befahl, was sie ihrem Gatten aufgetragen hatte. In später Stunde erst kam der edle Herr zur Burg Merode zurück, und während er über die ihm gewordene Erscheinung nachdachte, fing er an, in auffälliger Weise betrübt zu werden und niedergeschlagen. Als sein umwölktes Antlitz die in seiner Brust verborgene Traurigkeit offenbarte, begann seine Gemahlin nach der Ursache derselben zu forschen und sprach: „Warum ist dein Antlitz trauriger als sonst?“ Und worüber härmst du dich ab?“
Er erzählte ihr nun, was er gesehen und gehört hatte. Aber noch hatte er ihr das Ganze nicht mitgeteilt, da fing auch sie an zu erzählen, dass sie eine Erscheinung gehabt habe. Sie beschlossen, ihren Kaplan, der im göttlichen und im menschlichen Recht erfahren war, herbeizuholen, setzten ihm die Erscheinung auseinander und baten um seinen Rat. Dieser aber, der ein Mann von großer Klugheit war und wusste, dass viele sich durch Träume täuschen lassen, sagte, es sei Einbildung gewesen. „Keineswegs“, erhielt er zur Antwort, „sondern es ist eine wahre Erscheinung gewesen.“ - „Nun wohl“, sprach er, „wenn es eine solche ist, die von Gott gekommen, so betet eifrig, damit der heilige Matthias, von dem ihr redet, euch noch einmal erscheine und euch über die Erbauung des Klosters vollständiger unterrichte.“
Nun höre man und staune! In der Stille der Mitternacht, als der Schlaf die Menschen befallen, siehe, da erschien wiederum der Hl.Matthias dem edlen Besitzer von Merode und seiner Gattin Elisabeth und sprach; „warum habt ihr meinen Worten nichtgeglaubt? Und warum zögert ihr mit meinem Auftrage?“ Und zum Herrn sprach er: „Stehe auf, je eher, desto lieber, erfülle meinen Wunsch, baue ein Kloster, wie ich es die vorgeschrieben habe, und führe die Brüder vom Orden des heiligen Kreuzes darin ein, damit sie Gott dienen Tag und Nacht!“ Nach diesen Worten verschwand er. Gleich darauf erschien er auch dem Kaplan. „Wie konntest du so verwegen sein“, sprach er, „die Erscheinung, die deinem Herren geworden, Einbildung zu nennen?. Wenn du nicht ablässt, wird deine Verwegenheit ihrer verdiente Strafe erhalten.“ - In der Frühe begab sich der Kaplan weinend zum Herrn und erzählte ihm, was er gesehen und gehört hatte.
Darum baue in demselben Jahre der edle Herr von Merode an dem Orte, wo er die erste Erscheinung gehabt , gemäß dem vom Apostel Matthias erhaltenen Auftrag, nachdem das dichte Dornengesträuch weggehauen worden, eine Kirche zu Ehren jenes Apostels, worüber die Engel sich gefreut haben und der Teufel sich geärgert hat. Auch vollendete er die übrigen Gebäude des Klosters, führte dem göttlichen Willen gemäß die Mönche vom Orden des heiligen Kreuzes, die unter der Regel des hl. Augustinus lebten, darin ein, machte ihnen Geschenke, wies ihnen jährlich Einkünften, übertrug ihnen Land, und nachdem er seinen Lebenslauf glücklich vollendet hatte, starb er im Herrn.„
Quelle: heinzstuettgen.de
