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sagen:deutschemaerchenundsagen477

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Schiff verschwindet

  Petri Thaboritae kronyk by Visscher en Amersfoordt p. 266.

Am Tage des heil. Poncianus 1521 trug sich zu Edens (Friesland, Grieteny, Hernaarderadeel) ein wunderbarer Vorfall zu. Es wohnte da ein reicher Eigenerbe, Namens Benedix Haghens, dessen Tochter war mit einem alten, reichen Manne zu Franeker verlobt.

Als man bei der Gelegenheit ein kleines Fest feierte, befürchteten die von Franeker, die feindlichen Gelderschen möchten ihnen einen Streich spielen, denn das Land war in zwei Parteien getheilt; doch trösteten sie sich wieder mit dem Waffenstillstande, den man abgeschlossen. Benedix sah eben mit noch ein paar Andern zum Fenster hinaus, da erblickte er ein großes Ruderschiff voll Mannschaft, gegen 15 bis 16, welche alle niedersaßen, zwei ausgenommen, die schoben, der eine vorn und der andere hinten. Da bat Benedix die, welche bei ihm standen, sich still zu halten; er wolle hinausgehen und die Mannschaft freundlich bewillkommnen, dann, meinte er, würden sie ihnen wol nichts zu Leide thun. Als er nun draußen ans Ufer kam, warf er sein Auge auf den Hintersten, denn das war ein großer, kräftiger und schöner Mann, sodaß Benedix bei sich dachte: „Freund, kämest du in mein Haus, ich tränke dir ein volles Horn zu.“ Er wunderte sich aber gar sehr, daß er nicht Einen von der Mannschaft kannte. Da sah er, wie das Schiff anlegte und Alle aufstanden, wie wenn sie an Wall hätten treten wollen; er schritt vor, streckte die Hand aus und rief ihnen zu: „Seied Gott und uns Allen willkommen.“ (Weest God en ons allen welkom !) Kaum aber hatte er das Wort aus dem Munde und Gottes Namen genannt, als das Schiff mit der ganzen Mannschaft verschwand, sodaß er nichts mehr davon sah. Darob erschrak er sehr, ging nach Hause und legte sich zu Bette, schlief ein paar Stunden und war dann wieder möglichst fröhlich.

Bevor das Schiff ankam, lag einer von Benedix' Nachbarsknechten mit seinem Schiffe in der Fahrt, sah auch, wie das andere heranfuhr. Es schien ihm gleich kein reines Werk und in der That, es waren ja auch alles böse Geister; der Knecht fuhr darum in einen Schloot (Seitenfahrt) und ließ das Schiff vorbei. Er sagte auch, er habe deutlich gesehen, wie sie auf Benedix' Zusprache mit einer feurigen Flamme weggeflogen wären.

Quellen:


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