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Schlangenrache
Mündlich
Es geht die gemeine Sage in Drenthe, daß man unter den Schlangen einige finde, welche ein Krönlein auf dem Haupte trügen und die bei den andern Schlangen in großer Verehrung standen. Eine solche Schlange zu tödten, bringt das größte Unglück; man würde überall von den Thieren verfolgt, das Haus würde voll davon und sie ließen nicht eher ab, bis sie den Mörder ihres Königs oder ihrer Königin auch getödtet hatten. So erzählt man sich, daß ein Mann einmal solch eine Schlange getödtet habe; er sei gleich gezwungen gewesen, sein Haus zu verlassen, denn er habe vor den Schlangen weder essen, noch trinken, noch schlafen können. Da zog er aus der Gegend weg, weit weg nach einem andern Orte, hatte auch einige Tage Ruhe, doch da rückten seine Verfolger ihm wieder so zu Leibe, daß er ein Pferd bestieg, um nach einem Ort zu reiten, wo es gar keine Schlangen gab; doch vergebens, denn einige der Schlangen hatten sich an das Pferd festgebissen und umwanden und tödteten ihn, als er zum erstenmale still hielt.
Quellen:
- Johannes Wilhelm Wolf, Deutsche Märchen und Sagen, Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
