Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


sagen:deutschemaerchenundsagen463

<<< vorherige Sage | Deutsche Märchen und Sagen | nächste Sage >>>

Blaues Licht beim Schatze

  Neue Sammlung merkwürdiger Geschichten von unterirdischen Schahen u. s. w., 
  zusammengetragen von C. E. F. S. 198 aus Unterredungen vom Reiche der Geister. S. 524.

Sieben Meilen von Wien ist ein großer Flecken nebst einem schönen Schlosse an den ungarischen Grenzen, Peternell genannt, welcher vor Alters eine sehr berühmte Stadt war, wie man aus dem eingefallenen Gemäuer zur Genüge sehen kann. Es haben sich daher viele Schakgräber hier eingefunden, um ihre Kunst zu probiren, in Hoffnung, große Schake zu finden; sie sind aber meines Wissens mit Wind alle wieder zurückgewiesen worden. Einstmals ging ein Bürger aus Preßburg durch selbige Gegend, welcher von einem übeln Schuld: ner ein gewisses Geld, worauf er lange Staat gemacht, eincassiren wollte, um seine schwere Wirthschaft damit zu unterhalten. Er mußte sich aber, wie es zu gehen pflegt, mit leeren Worten abspeisen lassen und also mit traurigen Gedanken wieder zurückkehren. Als er nun an diesen Ort kommt, seht er sich auf einen großen Stein nieder, um ein wenig auszuruhen; da siehet er von ungefähr eine Deffnung von einem eingefallenen Keller, welche er sonst niemals, so oft er diesen Weg gegangen, wahrgenommen hatte. Er dachte bei sich selbst, es möchte ihm hier vielleicht etwas bescheert sein, weil man doch so vieles davon zu sprechen wisse, daß in dieser Gegend herum große Schake sollten vergraben sein.

Er kniete nieder, betete ein andächtig Vater Unser, zog seinen Rock aus, ging in die Deffnung hinein und sah sich, wiewol nicht ohne Grauen, darin um. Da erblickte er in einer Ecke des großen Kellers ein kleines Licht, welches ganz blau brannte. Er ging auf selbiges zu und warf seinen Hut darauf, wie dergleichen einfältige Leute zu thun pflegen, wenn sie in der Hoffnung stehen, einen Schak zu finden, griff darauf um sich herum, nachdem das Licht verloschen, und bekam unterschiedene Sorten von Münzen in seine Hand, welche er aber im Finstern nicht erkennen konnte, steckte sie also zu sich, griff weiter und bekam noch etliche Hände voll, mit welchen er seinen Hut ausfüllte. Mit dieser Ausbeute ging er nun nach Hause, wies sie diesem und jenem, aber niemand wollte diese Münzen kennen, bis endlich die Sache vor die ungarische Canzlei gelangte, vor welche er citirt wurde und die Sache nach allen ihren Umständen erzählen mußte. Darum wurden ihm gewisse Deputirte von der Stadt zugeordnet, welche mit ihm nach dem Orte, wo er diesen Schatz gefunden, gehn sollten. Als sie aber dahin gekommen, ist ihnen nicht möglich gewesen, diesen Ort wieder zu finden. Die Munzen, welche benanntem Bürger bescheert gewesen, waren alte römische Stucke und trugen am Werthe 309 Florin aus. Sie wurden ihm ausgewechselt und in verschiedene Medaillen - Cabinette geschickt.

Quellen:


sagen/deutschemaerchenundsagen463.txt · Zuletzt geändert: von 127.0.0.1