<<< vorherige Sage | Deutsche Märchen und Sagen | nächste Sage >>>
Mithrem zu Daesdonk
Mündlich
Zu Daesdonk wohnte vor viel hundert Jahren ein Tapetenweber, ein sehr geschliffener Kopf und beliebt bei Jung und Alt im Dorfe. Wenn der - was er alle Abende that etwas erzählte, dann flocht er jeden Augenblick das Wort Mithrem ein. Ein großer Kriegsheld war für ihn ein mithremscher Kerl; ein Trunkenbold ein mithremsch Schwein, ein Geizhals eine mithremsche Haut. Das machte, daß die Bauern ihm am Ende selbst den Namen Mithrem gaben und darüber seinen Familiennamen am Ende ganz vergaßen. Als er starb, vermachte er sein ganz Vermögen den Armen und das machte sein Andenken denen von Daesdonk noch werther. Um das zu verewigen, nannten sie die Hauptschenke des Dorfes, welche bis dahin zur Linde hieß, von nun ab zum Mithrem und beschlossen alle Jahr auf Mithrems Sterbetag eine Kirmeß zu halten, das ist nämlich auf den 11. November. Bei der Kirmes sah man im Dachfenster der Hauptschenke Mithrems Bild in Holz mit Schleiern und Stricken und Bändern prunken. Noch heute feiert man zu Daesdonk am ersten Montag nach Allerheiligen die Mithremskirmeß. Das Bild wird auch dabei noch stets ausgestellt.
Quellen:
- Johannes Wilhelm Wolf, Deutsche Märchen und Sagen, Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
