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sagen:deutschemaerchenundsagen447

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Der Teufel mit dem Sandberg

  Mündlich
  Alfred Reumont Aachens Liederkranz und Sagenwelt S. 321

Wie der Teufel so artig angeführt wurde bei dem Baue des Münsters von Aachen, das weiß ein Jeder;1) auch, wie Kaiser Karl, vom Papste und 365 Bischöfen begleitet, das Münster eingeweiht hat.2) Der Satan wollte den Streich, welcher ihm gespielt worden, aber nicht ungerochen lassen und flog darum nach dem Gestade der See, wo er eine große Düne gleich einem Mehlsacke auf den Rücken lud; mit der Last machte er sich alsbald wieder gen Aachen, um die Stadt gänzlich zu verschütten und unter dem Sande zu begraben. Also war er schon über die Maas gekommen und stand endlich nicht weit mehr von der Stadt im Soersthale; da trieb ihm ein plötzlicher Wind so viel des Sandes in die Augen, daß er die Gegend nicht recht erkennen konnte und ein altes Weib, welches eben vorbeischritt, fragen mußte, wo er denn eigentlich wäre und wie weit er noch bis Aachen hatte? Die Alte schaute ihm einmal ins Gesicht und erkannte ihn alsbald wieder, denn sie hatte ihn früher oft beim Baue des Münsters gesehn; auch durchblickte sie schnell seine Absicht, als sie den Sandberg auf seinen Schultern sah, und sie sprach schlau: „Ach, da seid ihr ja ganz vom Wege abgekommen, lieber Herr. Schauet nur auf mein Fußzeug; ich habe die Schuhe in Aachen neu angezogen und jetzt sind die Sohlen mir von der langen Reise bis hierher schon ganz zerrissen.“

Da fluchte der Teufel einen graulichen Fluch und schrie zornig: „Ich bin der Schlepperei müde; für jetzt mag das betrügerische Nest meinem Grimme entgehen, ich werde mich doch noch an ihm zu rächen wissen.„ Und mit den Worten warf er den Sandberg nieder auf die Erde und fuhr unter Rücklassung eines übernatürlichen Gestankes weg.

Noch kann man den Sandhaufen sehen: er ist durch den gewaltigen Stoß, den der Teufel der Düne gegeben, in der Mitte gespalten und bildet so eigentlich zwei Berge, von denen einer der Loosberg heißt, weil das alte Weib dem Teufel selbst zu loos (lose, schlau) war.

Quellen:


1)
Vgl. u. a. Langbeins Legende: der Kirchenbau in Aachen und Grimm deutsche Sagen.
2)
Vgl. No. 70 meiner Niederdeutschen Sagen.
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