Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


sagen:deutschemaerchenundsagen441

<<< vorherige Sage | Deutsche Märchen und Sagen | nächste Sage >>>

Wunderkind zu Waseme

  Fliegendes Blatt.

In dem Dorfe Waseme bei Ryssel lebte eine tugendsame Frau mit ihrem Manne. Lange hatten sie sich schon ein Kind gewünscht; endlich wurde dieser Wunsch erhört und die Frau fühlte sich guter Hoffnung. Nach Verlauf ihrer Schwangerschaft brachte sie sonder alle Pein ein Kind zur Welt, auf dessen Leibe ein Regenbogen stand, worauf Christus thronte. Die Hebamme erschrak sehr, als sie solches sah, und rief die Nachbarn zu, die alle vor Verwunderung nicht wußten, was sagen. Da öffnete das Kind plötzlich den Mund und sprach: „Verwundert euch nicht so sehr über mich, fürchtet vielmehr, daß bald eine große Strafe euch treffe.“ Noch mehr erschrocken eilten einige von den Nachbarn zum Pfarrer, um dem zu sagen, daß er das Kind taufen müsse, und Nachmittags trug man es in die Kirche, wo der Pfarrer schon wartete. Als er das Kind sah, schüttelte er mit dem Kopf und fragte: „Ist das wirklich wahr, daß das Kind die Worte gesprochen hat?“ - „Ja, das ist wahr,“ antwortete es selbst, „und so wahr, als daß meine Mutter in diesem Augenblicke gestorben ist.“ Wirklich kamen gleich darauf einige Leute, die das bestätigten, und kaum war das Kind getauft, als es auch seinen letzten Seufzer gab und seiner Mutter folgte.

Quellen:


sagen/deutschemaerchenundsagen441.txt · Zuletzt geändert: von 127.0.0.1