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sagen:deutschemaerchenundsagen431

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Geld in der Kirche verborgen

  Mündlich

In Wettern waren einmal alle Leute in Unruhe und Angst und Sorge wegen eines Geistes, der jede Nacht an der Kirchthure erschien, sobald es zwölf geschlagen hatte; von oben trug er priesterliche Kleider, von unten aber, und zwar von der Hälfte des Leibes ab, brannte er wie glühend Feuer. Zwei beherzte Leute unternahmen es endlich, ihn abzufragen; es war der Küster und noch ein wohlhabender Bauer; sie stellten sich denn gegen zwölf an die Kirchhofthure und erwarteten daselbst die Mitternachtglocke. Kaum hatte die geschlagen, da stand der Geist auch schon da und rief: „Wer wird mir zur Messe dienen! Wer wird mir zur Messe dienen!“ - „Das wollen wir schon thun,“ antworteten die zwei und gingen auf den Geist zu. „Dann macht die Thure auf,“ sprach dieser, und der Küster steckte den Schlüssel ein, aber er vermochte nicht, ihn umzudrehen, und sagte zu dem Geiste: „Ich kann's nicht; im Namen des Herrn, mach' du auf.“

Da flog die Thüre krachkrach auf und der Geist sprach: „Nun gehet vor in die Kirche,“ aber der Küster war klug und entgegnete: „Im Namen des Herrn, gehe selber vor.“ Das that der Geist und ging in die Sakristei, zog da das Meßgewand an und begann am Hochaltar die Messe zu lesen und der Küster diente ihm dazu. Als die Messe zu Ende war und der Geist sich wieder ausgezogen hatte, sprach er: „Ich danke euch von Herzen, Freunde, ihr habt mich erlöst, nun gehet vor und ich will euch einen Schatz zeigen, den ich hier verborgen habe in meinem Leben und der aus lauter Geld besteht, wofür ich keine Messen las.“ Der Küster hütete sich aber wohl vorzugehen, sondern sprach: „Im Namen des Herrn, gehe du vor;“ und das that der Geist auch und führte sie an einen Stein, der los in der Mauer lag. „Nehmt den Stein heraus,“ sprach er, doch der Küster antwortete: „Nein, nein, nimm du ihn heraus;“ der Geist folgte und sie sahen ein Loch in der Mauer und einen großen Topf mit Geld in dem Loche. „Nehmet euch den Topf,“ sprach der Geist und der Küster entgegnete, wie immer: „Im Namen des Herrn, thu du's.“

Nun faßte der Geist den Topf und stülpte ihn um und es rollten ganze Haufen von Goldstücken heraus; dann sprach er: „Zwei Theile davon sind für euch, ein Theil ist für die Kirche und ein Theil für die Armen; theilt es redlich und es wird gedeihen.“ Damit verschwand er und die Zwei saßen im Dunkel. Sie krochen alsdann jeder in einen Beichtstuhl und erwarteten da den Morgen, wo sie das Geld aufs gewissenhafteste theilten und Beide steinreiche Leute dadurch wurden.

Quellen:


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