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sagen:deutschemaerchenundsagen423

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Das Drachensträßchen zu Zomergem

  Mündlich.

In dem Sträßchen, welches diesen Namen trägt, wohnte vor einigen Hundert Jahren ein reicher Pächter; den beneideten seine Nachbarn nicht wenig und aus Neid beschädigten sie ihm eine Menge von Bäumchen, die er auf seinen Aeckern gepflanzt hatte, und hieben sie selbst nieder. Darüber wurde der Mann nicht wenig böse; er entbrannte aber in höchster Wuth, als er einmal auf Dreikönigentag einige Ulmen, welche er ganz nahe bei seinem Hause gepflanzt und sorgfältig stets gepflegt hatte, auch abgehauen fand. Tausendmal verwunschte er es, daß er in der Nacht nicht besser gewacht, und schrie endlich gar: „Der Teufel hole mich, wenn die Hunde mir noch einen Baum ungestraft anrühren.“

Wie sehr scharf er den Böswilligen von da ab aber auch aufpaßte, mußte er doch wenige Tage nachher zu seinem Aerger sehen, daß wieder mehre kleine Eichen abgehauen waren. Das machte ihn ungemein mißmuthig und mit Thränen in den Augen wollte er eben die Stämmchen zu seinem Holzschober tragen, als ein schwarz gekleideter Herr zu ihm trat und ihn anredete: „Nicht wahr, Pächter, ihr seid ein ehrlicher Mann und man darf sich auf euer Wort verlassen.“ - „Das versteht sich,“ entgegnete er; „ich breche mein Wort nicht und schenkte man mir die ganze Welt.“ - „Brav,“ sprach der Andre. „Vor drei Wochen habt ihr dem Teufel eure Seele verpfändet, wenn man euch noch einen einzigen Baum ungestraft anrührte. Ich hoffe, ihr werdet das nicht widerrufen.“ Mit den Worten packte der Fremde ihn bei den Schultern, der Bauer beschaute ihn einmal recht und sah, daß er Pferdeklauen hatte. Der Muth fiel ihm aber nicht und er begann mit dem Schwarzen zu handeln und der gestand ihm noch zwanzig Jahre zu und gab ihm zugleich einen Drachen, der all sein Eigenthum bewachte.

Als die Leute im Dorfe den Wächter sahen, wollte keiner mehr mit dem Pächter zu schaffen haben. Das machte ihn traurig und er zehrte ab wie eine Kerze und starb lange vorher, ehe die zwanzig Jahre um waren. Man sagt, er habe sich n seinen lezten Tagen bekehrt.

Quellen:


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