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Der Hochaltar zu Blaubeuern
G. Schwab, Wanderungen durch Schwaben. S. 90 aus mündlicher Quelle.
Der schöne Altar in der Klosterkirche von Blaubeuern rührt von dem Ulmer Meister Georg Sürlin her. Als er dies Kunstwerk vollendet hatte, fragten ihn die Mönche, ob er sich wol getraue, einen noch schönern Altar zu fertigen. Das bejahte der Meister in freudigem Gefühle seiner Kraft, aber ach, dies Ja war sein Ungluck; denn die neidischen Mönche wollten nicht, daß es einen schönern Altar, als den in der Welt geben sollte, darum stachen sie dem kunstreichen Meister beide Augen aus und hielten ihn dazu noch im Kloster fest, damit die Schandthat nicht ans Licht der Sonne käm. Das that es aber doch, denn Sürlin setzte sich nun still und heimlich in den fernsten Kirchenstuhl und schnitzte da in das Holz sein eigen Bild, wie er so traurig ob seiner Blindheit gebücket dasaß. Frühe starb er, aber das Bild lebte, ein ewiger Zeuge des Frevels der unfrommen Mönche.
Quellen:
- Johannes Wilhelm Wolf, Deutsche Märchen und Sagen, Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
