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Wulveringhem und Vinchem
Heinderiex Annalen von Veurne. Msc. des Stadtarchivs von Veurne. Mündliche Erzählungen.
Gegen das Jahr 700 wohnte zu Wulveringhem ein mächtiger und reicher Ritter, Namens Wulferius; von dem hat das Dorf seinen Namen. Eine Prinzessin aus seinem Geschlecht stand einmal auf dem Thurme ihres Schlosses; da that sie fromm das Gelubde, sie wolle eine Kirche stiften auf der Stelle, wo Gott den Pfeil werde niederfallen lassen, den sie von ihrem Bogen abschieße. Damit nahm sie den Bogen, spannte ihn, schoß und rief den Untenstehenden zu: „Vindt hem! „ das ist, findet ihn, nämlich den Pfeil. Die Stelle, wo er niedergefallen war, bezeichnete man, und da ließ die Prinzessin eine Kirche bauen, welche nach dem Rufe der Stifterin die Kirche von Vindthem genannt wurde. Das Vindthem ist nun durch die Länge der Zeit Vinchem geworden. Um die Kirche herum bauten sich später Leute an und so entstand das Dorf Vinchem. Es ist zu bemerken, daß diese Kirche nur auf Bogenschußweite von dem Dorfe Wulveringhem steht.
Quellen:
- Johannes Wilhelm Wolf, Deutsche Märchen und Sagen, Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
