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Des römischen Königs Grab
Cuspinian. Chronicon Augustense apud Marquard. Freher. Camerarii horae subcisivae.
Nach dem Tode des römischen Königs Heinrich, welcher ein Landgraf war in Thüringen und Hessen, kure man Wilhelm, den König von Holland. Dieser hatte einen Krieg mit den Friesen, welche er auch sich unterwarf. Als er dabei in die Nähe einer gewissen Stadt kam, fand er daselbst ein prächtig erbautes Grabmal. Er fragte, wer darin ruhe, aber die Bürger antworteten, darin ruhe bis dahin noch Keiner, doch sei es vom Schicksale einem römischen Könige bestimmt, daß er darin begraben werden solle.
Bald darauf verließ der König Friesland als Sieger, aber die Friesen waren deß nicht zufrieden und rächten sich bald. Eines Tages ritt er mit geringem Gefolge über Eis, dies brach und er stürzte mit dem Pferde ins Wasser. Das sahen einige hinter Hecken verborgen lauschende Friesen und ehe noch Jemand ihm zu Hülfe kommen konnte, hatten sie ihn schon getödtet. Dann scharten sie ein ganzes Heer der Ihrigen zu sich und schlugen und tödteten die Holländer.
König Wilhelm aber wurde in jenem Grabe bestattet und also ging die alte Sage von demselben in Erfüllung.
Quellen:
- Johannes Wilhelm Wolf, Deutsche Märchen und Sagen, Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
