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Straße gesperrt
Phil. Ericii virga Dei in Germania. p. 451.
Ein gewisser Hans Jacob, Soldat im kaiserlichen Heere gegen die Schweden (1636), war von frühester Jugend an ein ganz abscheulicher Flucher. Eines Abends hatte er mit mehren Andern lang in der Schenke gesessen und gespielt, auch bei jedem verlornen Spiele nach Gewohnheit geflucht, und ging spät erst mit einem seiner Gesellen nach Hause. Da sahen beide im Mondschein ein großes schwarzes Ding, welches quer über die Straße lag. Hans Jacob frug seinen Gesellen, was das doch sein möge? und der antwortete, es wäre wahrscheinlich der Schatten eines Baumes oder Pfahles. So gingen sie weiter. Als sie dem Dinge aber nahe gekommen waren, da stieg dasselbe plötzlich vor ihren Augen auf, und sie sahen, daß es eine riesige Gestalt war mit Augen, wie feurige Bomben und Hundsohren, die langer als zwei Spannen auf jeder Seite vom Kopfe herabhingen, überhaupt so fürchterlich und abscheulich anzusehen, daß es mit keiner Feder zu beschreiben ist. Diese Gestalt faßte den Flucher, führte ihn auf Mannslänge in der Luft ein paar Ruthen weit mit sich fort und ließ ihn alsdann gar unsanft niederfallen. Sein Gesell hatte glücklicherweise noch so viel Geistesgegenwart, daß er zu der Schenke zurücklief und ein paar Kameraden holte, mit deren Hülfe er den andern unter Dach brachte. Eine Zeit lang blieb der noch ohnmachtig daliegen, erholte sich dann aber langsam und führte von da an ein ganz ander Leben.
Quellen:
- Johannes Wilhelm Wolf, Deutsche Märchen und Sagen, Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
