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sagen:deutschemaerchenundsagen389

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Gespenster in der Dünenabtei

  Mündlich.

Eine Magd, die längere Zeit bei dem Meier, der in den Ruinen der Dünenabtei wohnt, gedient hatte, wollte eines Tages nicht länger bleiben und verließ noch am selben Abende den Pachthof. Lange quälte man sie, die Ursache davon zu sagen, aber sie wollte es nicht; endlich ließ sie sich doch überreden und erzählte Folgendes.

Eines Abends ging ich mit einem andern Mädchen in den Baumgarten. Da sahen wir deutlich sich Nebel zwischen den Bäumen sammeln und immer dichter und endlich so dicht werden, daß das Mädchen sprach: „Sieh doch, Trine, diesen Abend nebelt es stärker, als ich mich zu erinnern weiß, je gesehen zu haben.“ Ich stand auch verwundert darob; aber bald sahen wir Dinge, die ich nie vergessen werde. Es erschien nämlich eine Todtenlade, mit einem weißen Bahrtuche überdeckt; die wurde getragen, ohne daß man sah, von wem, und schwebte so durch den ganzen Baumgarten. Ich zog das Mädchen am Aermel und sprach: „Komm, komm, ich sterbe vor Angst,“ und wir wollten weglaufen nach dem Hofe zu; indem aber war es auf einmal, als stände der ganze Baumgarten in Flammen und damit verschwand die Todtenlade.

Im Hause hatten wir aber keine Ruhe und das Mädchen ging nach dem Hinterfenster, um zu sehen, ob sich nichts mehr zeigte. Plötzlich schrie sie: „Trine, ach Gott, die Schweine sind los und laufen im Hofe herum; wenn sie am jungen Kohl nagen, dann wird die Pächterin böse und wir haben keine Ruhe im Hause. Komm schnell, damit wir sie in den Stall treiben.“

Wir eilten in den Hof und sahen die Schweine vor uns, hörten sie auch grunzen und gingen ihnen nach, um sie zurück in den Stall zu bringen, aber sie liefen dem Felde zu; als wir ihnen nachsetzten, verschwanden sie in einem Augenblick sammt und sonders vor unsern Augen. „Das geht nicht mit richtigen Dingen zu,“ sprach ich, „komm doch einmal nach dem Stalle.“ Wir gingen dahin und siehe, der Stall war geschlossen; die Schweine lagen alle ruhig darin.

Von dem Augenblicke ab wollte ich nicht mehr da dienen und am andern Morgen schnürte ich mein Bündel.„

Quellen:


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