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Die Kinder in der Krypta von St. Bavo
Mündlich.
Man hatte einmal einen Leichendienst in der Bavoskrypta gehalten und nach Beendigung desselben die Thüren wieder geschlossen. Drei Kinder, die während des Dienstes da herumgestrichen waren und sich die alten Gräber beschaut hatten, verspäteten sich und wurden so eingesperrt, und da Nachmittags nichts in der Kirche zu thun war, so konnte man ihr Klopfen und jämmerliches Schreien nicht hören und sie waren gezwungen, die Nacht über da zu bleiben.
Aengstlich krochen alle drei unter eine Todtenbahre, über die das Leichentuch noch hing. Gegen zwölf Uhr Nachts regte es sich aller Orten und Enden in der Krypta und eine Menge von Priestern und Chorknaben erschienen, die sangen und gingen in Prozessionen rund. Als der Küster Morgens in die Krypta kam, fand er die Kinder noch unter der Bahre, das eine aber war vor Schreck gestorben, das zweite wurde am selben Tage noch tödtlich krank und starb bald nachher; das dritte allein blieb am Leben und erzählte später noch häufig den Vorfall. Seitdem klopfte der Küster vor dem Kirchenschlusse dreimal an die Thüren der Krypta.
Quellen:
- Johannes Wilhelm Wolf, Deutsche Märchen und Sagen, Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
