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Die weißen Reiter
Van den troost der Zielen in't Vaghevier. S. 141, wahrscheinlich aus Thomas Cantiprat. II. 53, 30.
Da war einmal ein reicher und machtiger Herzog, der lebte anfangs in allen weltlichen Gelüsten, bekehrte sich aber endlich und wurde ein frommer Mann. Als das seine Edeln sahen, da wurden sie unwillig und sie reizten einen König gegen ihn auf, der ihm sein Herzogthum abnehmen wollte. Da flüchtete er auf ein starkes Schloß und befahl sich daselbst in Gottes Hand.
Am Morgen des Tages, wo der König zur Belagerung des Schlosses heranrückte, sah der Herzog aus dem Fenster und erblickte ein großes Heer von weißen Rittern die auf weißen Rossen näher kamen; einer der Ritter ritt bis vor das Fenster und sprach zu dem Herzoge: „Fürchtet den König nicht, Herr Herzog, wir stehen euch bei; wir sind allzumal Seelchen, denen ihr durch eure Gebete und Almosen geholfen habet.“ Bald darauf erschien der König mit seinem Heere und der Herzog rückte ihm kühnlich entgegen mit wenigen Soldaten; die weißen Reiter scharten sich aber gleich zu ihm. Als der König diese sah, da erschrak er und nahm mit all seinen Streitern die Flucht.
Ganz dasselbe geschah auch dem Herzoge Eusebius von Sardinien, als der mit dem Herzoge Ostergius von Sicilien in Krieg war, wie das ein frommer Abt erzählte, der grade zu der Zeit von den Soldaten des Letztern gefangen genommen worden.
Quellen:
- Johannes Wilhelm Wolf, Deutsche Märchen und Sagen, Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
