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Wie die Todten dankbar sind
Van den troost der Zielen in't Vaghevier. S. 139 Den dobbelen Zielentroost S. 58.
Da war ein Ritter, der ging nie über einen Kirchhof, sonder die Seelchen in dieser Weise zu grüßen:
Gott grüß euch, ihr Seelchen all zusammen,
Ich kenne nicht all eure Namen,
Doch bitt ich Gott durch Jesu Blut,
Daß er euch schenk' das ewig Gut.
Nun geschah es einmal, daß er in der Nähe des Kirchhofs fast in seiner Feinde Hand fiel, denn diese kamen plötzlich aus einem Hinterhalte auf ihn zu. Er schrocken lief er dem Kirchhofe zu, vergaß aber nicht seines gewöhnlichen Gebetchens, sondern sprach dieses, wie er immer that. Da stand mit einem Male der Kirchhof voll von Männern, die Hammer, Hacken, Schaufeln und anderes Handwerksgeräthe viele führten auch Waffen - in den Händen hielten und auf des Ritters Feinde anrückten. Diese liesen erschrocken davon und wagten seitdem nicht mehr, dem Ritter etwas anzuhaben.
Es war auch ein Schreiber, der dieselbe löbliche Gewohnheit, wie der Ritter, hatte. Als man den begraben sollte und der Geistliche am Grabe stehend sprach: Requiescat in pace! da riefen all die Seelchen: „Amen.“
Quellen:
- Johannes Wilhelm Wolf, Deutsche Märchen und Sagen, Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
