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Doppelte Gestalt
S. de Vries, de Satan. II. S. 421.
Ein gelehrter Professor an der hohen Schule zu Utrecht hatte häufig die Gewohnheit, Nachts, wenn seine Frau bereits lange zu Bett war, noch das Eine oder Andere an einem Tischchen in der Nähe des Bettes sitzend aufzuzeichnen. Eines Abends hatten die beiden Eheleute sich zugleich zu Bette gelegt. Einige Stunden später erwachte die Frau und erschrak nicht wenig, als sie in dem Schlafzimmer Licht bemerkte. Sie erhob sich im Bette und sah ihren Mann an dem Tischchen schreiben.„Wie, sollte der noch aufgestanden sein?“dachte sie und fühlte einmal neben sich, doch da lag ihr Mann auch neben ihr; zugleich verschwand die andere Gestalt und das Licht. Nicht lange nachher wurde der Professor krank und starb.
Quellen:
- Johannes Wilhelm Wolf, Deutsche Märchen und Sagen, Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
