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Zeichen vor der Schlacht von Roosebeeke
Meyeri annal. Flandr. I. XIII. p. 190 a.
Nachdem Artevelde sich mit seinem Heere bei Roosebeeke gelagert, erwartete man für den folgenden Tag eine Schlacht. Obgleich das Heer der Fläminge sehr klein und der Franzosen Heer sehr groß war, fürchtete Artevelde nicht im Mindesten, den Sieg zu gewinnen. „Hier haben wir fast den ganzen Adel der Welschen,“ sprach er. „Keiner von euch schone ihrer, keiner nehme einen von ihnen zum Gefangenen; nur des Königes sollt ihr schonen; er ist noch Knabe und weiß nicht, was er thut; er geht, wohin man ihn leitet. Wir aber wollen ihn nach Gent leiten, damit er dort Flämisch lerne. Die Herzoge, Grafen und alle Uebrigen machet nieder; ihr werdet dadurch den Städten Frankreichs einen großen Dienst erweisen, denn sie wünschen nichts so sehr, als daß diese nie wieder nach Hause zurückkehren.“
In der Nacht, welche der Schlacht vorherging, hörte man in dem Goldberge, welcher die beiden Heere von einander schied, ein großes Geräusch, Waffengeklirre und wie Stimmen streitender Männer. Als die Wachen Artevelde's das vernahmen, fürchteten sie, der Feind moge sie unerwartet überrumpeln, und sandten darum einige Kundschafter nach dem Berge; doch die hörten und sahen nichts daselbst. Da weckte ein Weib, welches mit Artevelde gekommen war, diesen vom Schlafe auf und auch er hörte den Tumult und das Weib hörte ihn und Alle, welche wachten. Alle waren sehr erstaunt darob, doch als sie sahen, daß nichts davon zu fürchten war, begaben sie sich wieder zur Ruhe. Man glaubt, es seien böse Geister gewesen, welche erfreut ob der Beute, die sie da machen sollten, ein Vorspiel der Schlacht gespielt hätten. Ueberhaupt gingen noch keiner Schlacht so viele Zeichen vorher. So war schon eine Menge von Raben den Flämingen von Audenaerde aus nachgezogen, nun kam dieser Tumult, später sah man Raben in unzählbaren Scharen über beiden Heeren fliegen, auch soll ein schwarzer Nebel durch die Oriflamme gescheucht worden sein.
Froissard erzählt: eine weiße Taube sei über der Welschen Heer erschienen und habe sich nach langem Fliegen endlich auf eine ihrer Fahnen niedergelassen.
Dies alles waren schlimme Zeichen für das flamische Heer, welches auch den gehofften Sieg nicht davontrug und selbst seinen Führer, Artevelde, verlor.
Quellen:
- Johannes Wilhelm Wolf, Deutsche Märchen und Sagen, Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
