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sagen:deutschemaerchenundsagen359

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Schönes Frauenbild im Traume geschaut

  S. de Vries, de Satan II. S. 173.

Ein gottseliger Mann in Holland hatte einen Bruder, der sich einem wilden und wüsten Leben hingegeben hatte und weder nach Gott noch Gebot fragte. Durch viele Ermahnungen und frommes Zureden kam derselbe doch endlich wieder zur Besserung und wurde ein ganz anderer Mensch. Schon ein ganzes Jahr lang war er auf dem Wege des Guten fortgeschritten, als ihm in einer Nacht träumte, er wäre auf einer gewissen Stelle außerhalb der Stadt und fände daselbst ein Frauenbild von übermenschlicher Schönheit, die ihm zu sich winke, damit er sich mit ihr erlustige.

Zwei Tage nachher hatte er denselben Traum und das schöne Weib wollte ihm nicht mehr aus den Gedanken. Abermals zwei Tage später sah er sie noch einmal und zwar immer auf derselben Stelle und, wie es ihm schien, in der Abenddämmerung.

Dies machte ihn neugierig und gegen Abend machte er sich auf und ging aus dem Thore und dem Orte zu, wo er sie geschaut, und siehe da, er fand sie wirklich da und noch schöner, als sie ihm im Traume erschienen war. Sie winkte ihm freundlich und er nahte ihr zutraulich, doch da fiel ihm ein, daß sein Bruder ihm gesagt, der Teufel nähme häufig derlei Gestalten an und Anderes mehr, und das ängstigte ihn dergestalt, daß er, so schnell er konnte, weglief und sich nach Hause begab. Noch zweimal sah er das schöne Bild in seinen Träumen, aber er hütete sich wohl, noch einmal nach der Stelle zu gehen.

Quellen:


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