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sagen:deutschemaerchenundsagen356

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Die Bräutigamsschau

  Erasmi Francisci höllischer Proteus S. 815. S. de Vries, de Satan II, p. 375.

Auf einem Schlosse, nahe bei Wien, beschwatzte einst eine alte Magd die drei jungen Edelfräulein, auszuklügeln, welches ihre Bräutigame sein würden, und gab ihnen dazu folgendes Mittel an die Hand. Von ihrem Mittag - und Abendessen sollten sie ein wenig übrig lassen und dies nebst einem Trunke Wein und einem Spiel Karten auf einen Tisch legen, dann gewisse Worte sprechen und sie würden ihre Bräutigame sehen. Dem Allen kamen die Edelfräulein aufs allerfleißigste nach und kaum hatten sie die Ceremonien verrichtet, als auch drei Junker in die Kammer traten, sich an den Tisch setzten und von den drei Tellern aßen, ein jeder von dem Teller derjenigen, deren Zukünftiger er war. Als dies geschehen, fingen sie an zu spielen.

Einem von ihnen aber entfiel zufällig ein Kartenblatt; da trat eines der Edelfräulein höflichkeitshalber zu dem Tische und bückte sich, um dasselbe aufzunehmen, doch da gewahrte sie zu ihrem allergrößten Schrecken, daß der vermeinte Junker abscheuliche Bocksfüße hatte. Darüber erschrak sie so sehr, daß sie die Bedingung, kein Wort zu sprechen, vergaß und laut aufschrie: „O Herr Jesus, sei mir gnädig!“ Mit den Worten stürzte sie aus dem Zimmer und nach der Schlafstube ihrer Mutter. Ihr Junker lief ihr wol nach, mußte aber vor der Stubenthür stehen bleiben und verschwand auch daselbst. Die zwei andern Edelfräulein und die alte Magd fand man am andern Morgen todt und jammerlich zugerichtet am Boden liegen.

Quellen:


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