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Gesicht auf dem Kreuzwege
Erasmi Francisci höllischer Proteus S. 809. S. de Vries, de Satan, II. p. 374.
Im Jahre 1666 ließ sich in einer gewissen Stadt ein junges Mädchen bereden, bei Nacht und Unzeit auf einen Kreuzweg zu gehen, um dort ihren zukünftigen Liebsten zu schauen. Morgens aber fand man sie dort bleich und entstellt, mehr todt als lebendig. Man frug sie wol, was ihr begegnet, aber man konnte nichts aus ihr herausbringen bis gegen den dritten Tag; da erholte sie sich in etwas und rief: „Ach Herr, vergib es der Alten! Wie hat sie mich armes Kind verleitet!“ Man fragte sie nun aus und sie erzählte, daß sie, als sie auf dem Kreuzwege die gewöhnlichen Worte ausgesprochen, auf dem Dache eines ihr gegenüberliegenden Hauses eine feurige Todtenlade gesehen, worüber sie dermaßen erschrocken, daß sie wie todt zur Erde gefallen.
Quellen:
- Johannes Wilhelm Wolf, Deutsche Märchen und Sagen, Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
