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sagen:deutschemaerchenundsagen352

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Wettermachen I

  Remigii daemonolatria c. 25.

Ein Bauer im trierer Gebiete war mit seinem Töchterchen im Garten und beschäftigt, Kohl zu pflanzen. Weil das Kind sich so gut anschickte, hatte der Vater Freude an ihm und sprach: „Du verstehest das ja ganz prächtig, plag' dich nur schön.“ - „Ei,“ antwortete das Kind darauf, „das ist auch eine schöne Kunst, ich kann doch noch andre Sachen, die viel wunderbarer sind, als das.“ Da fragte der Vater, was das denn wäre, und das Kind sprach: „Gehe nur ein wenig seitwärts und sage mir, auf welchem Theil des Gartens es regnen soll.“ - „Thu' es nur einmal,“ entgegnete der Bauer „ich will schon weggehen.“

Als er nun zur Seite getreten war, machte das Kind ein Grübchen in die Erde und ließ sein Wasser hinein; das rührte es mit einem Stäbchen und murmelte einige Worte dazu und im selben Augenblicke fiel der reichste Regen in den Garten nieder. Da stand der Bauer stumm vor Staunen und Schrecken und fragte das Kind unter Beben und Zittern: „Aber wer hat dich denn das gelehrt.“ - „Meine Mutter,“ antwortete das Töchterchen, „die weiß auch noch viel andere Sachen der Art.“

Der Bauer ließ sich nichts merken, sprach aber zu seinem Weib, er wäre über einige Tage auf eine Hochzeit geladen und sie möge sich dazu bereit machen. An dem bestimmten Tage spannte er seinen Karren an, die Frau setzte sich darauf und er fuhr sie in die Stadt und überlieferte sie dem Gerichte. Nachher ist sie verbrannt worden.

Quellen:


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