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Der Holzhacker und die drei Katzen
Sprengers Malleus II. qu. 1 c. 9.
In der Gegend von Strasburg liegt ein Städtchen, dessen Namen wir nicht nennen wollen. Darin war einmal ein Werkmann beschäftigt, in seinem Hause Brennholz zu schneiden, als ihm plötzlich eine Katze auf den Leib sprang und ihm auf alle mögliche Weise lästig wurde. Als er, deß müde, sie endlich von sich wegjagte, da kam noch eine zweite zu der ersten, und als er nun die zwei wegtreiben wollte, da kam gar noch eine dritte und alle sprangen ihm ins Gesicht und kratzten und bissen ihn an den Beinen. Nie hatte der Mann eine großere Angst ausgestanden; doch faßte er sich, machte schnell ein Kreuz und als die Katzen ihm dann noch nach dem Gesicht und der Kehle sprangen, packte er ein Stück Holz und schlug auf sie los; die eine traf er am Kopf, die andre an den Beinen, die dritte auf dem Rücken, so daß sie flüchteten und nicht wiederkehrten.
Er ging wieder an seine Arbeit und setzte die noch eine Stunde lang fort; da drangen auf einmal zwei Gerichtsdiener in sein Haus, faßten ihn und führten ihn vor den Richter. Der schaute ihn lange und starren Blickes an, wollte kein Wort der Vertheidigung hören und befahl, ihn in einen tiefen Thurm zu werfen. Da saß nun der arme Holzhacker, heulte und schrie, was er denn gethan habe, daß es den Wächtern selbst leid that und die den Richter angingen, dem Manne doch Gehör zu geben. Der Richter aber erzürnte ob der Bitte, sprach, wie es möglich wäre, daß ein so arger Zauberer noch nicht zur Erkenntniß seiner Verbrechen kommen wolle und sich noch unschuldig nennen könnte, da doch Alles offenbar gegen ihn sprache. Endlich wurde der Richter durch anderer Raths herren Zusprechen bewogen, dem Manne Gehör zu geben. Als man ihn nun aus dem Kerker und in den Gerichtssaal brachte, da fiel er auf beide Knie nieder und bat mit Thränen, man möge ihm doch sagen, warum er gefangen genommen worden, denn er wisse sich keines Verbrechens schuldig. Da brach der Richter los und sprach: Du scheußlichster aller Verbrecher, du willst noch nicht bekennen? Hast du nicht an dem Tage und zu der Stunde drei der vornehmsten Frauen der Stadt so mit Schlägen zugerichtet, daß sie sich bis heute nicht rühren noch regen können?„
Da dachte der Holzhacker nach über die Sache und antwortete: „Ich habe mein Lebetage keiner Frau etwas zu Leide gethan, noch eine geschlagen, kann auch durch Zeugen beweisen, daß ich an dem Tage und zu der Stunde mit Holzschneiden beschäftigt gewesen. Haben doch eure Diener mich eine Stunde drauf noch an derselben Arbeit gefunden.“ Da wurde der Richter noch zorniger und schrie: „Da seht, wie er seine Schandthaten bemänteln will, und die drei Frauen liegen auch krank von seinen Schlägen zu Bette.“ - „Ja, ich habe wol gewisse Geschöpfe zu jener Stunde geschlagen,“ sprach der Holzhacker darauf, das waren aber keine Frauen.“ Darob standen Alle, die im Saale waren, stumm und fragten, was das denn für Geschöpfe gewesen wären? „Drei Katzen waren es,“ sprach der Mann und erzählte alles, wie es geschehen war. Da gab man dem Manne gute Worte, er möge doch von der Sache nicht weiter sprechen und Keinem davon sagen und ließ ihn frei und ungehindert seiner Wege gehen.
Quellen:
- Johannes Wilhelm Wolf, Deutsche Märchen und Sagen, Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
