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sagen:deutschemaerchenundsagen343

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Glocke bricht den Zauber

  P. Binsfeld tractatus de confessionibus maleficorum et sagarum. Col. Agr. 1623. ed. 4. p. 215 und 313.

Ein Bauer, Namens Johannes, aus dem Dorfe Salmenroer im trierer Gebiete, war eines Donnerstages zum Tanze auf der Hekenroderheide geritten, wo bis zu unsern Zeiten noch viel Hexenwerk getrieben und viel Teufelsspuk gehört wird. Nach Beendigung des Tanzes hielt man Rath über allerhand Unheil, was Der oder Jener stiften müsse, und verspätete sich also, daß der Tag bereits anbrach. Nun beeilte sich ein Jeder fortzukommen und auch der Bauer; aber der war noch unterwegs, als in einer nahen Kapelle das Morgenglöckchen zu lauten begann. Zu gleicher Zeit schüttelte der Bock, den er ritt, ihn ab und er fiel nieder auf die Erde und zufälligerweise auf ein Stück Land, welches sein gehörte und auf dem seine Magd eben Gras für die Kühe schnitt. Das Mädchen erschrak gewaltig, als es seinen Herrn aus der Luft fallen sah, und rief: „Herr Gott, Dheim, wo kommt ihr her?“ Der Bauer erzählte es ihr offenherzig, gebot ihr aber, es nur ja für sich zu behalten. Es ist aber später doch ausgekommen und der Bauer verbrannt worden.

Noch viel Andere haben ähnliches durch die Glocken erfahren und darum sagen sie auch, wenn sie lauten hören: „Horch, die Hunde bellen.“ Ebenso hat der Bock ein Weib, Namens Gertrud, die auf derselben Heide getanzt hatte, zur Erde geworfen, weil sie zufällig den Namen Gottes ausgesprochen. Unglücklicherweise fiel sie in ein Dorngebusch, wo sie sich stark verwundete. Als sie am andern Tage spät nach Hause kam, sprach sie zu ihren Nachbarinnen, sie habe eine Wallfahrt nach der Eberhardsklause gemacht.

Quellen:


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