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sagen:deutschemaerchenundsagen327

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Alraunen zu Wien

  Monatliche Unterredungen von dem Reich der Geister. Neunte Unterredung. S. 287 u. 288.

Der Vorsteher des Bücherschatzes in der kaiserlichen Bibliothek in Wien hatte ehedem dort nach dem gewöhnlichen Betzeichen keine Ruhe mehr und wurde oft mit Gewalt herausgetrieben. Absonderlich war dies der Fall mit demjenigen Zimmer, in welchem unterschiedene Manuscripte nebst andern raren Monumenten aufbewahrt werden. Da befanden sich auch zwei Alraunen, mit rothem Scharlach bekleidet und gleichsam in ordentlichen Todtenladen nach ihrer Größe liegend. An denselben befanden sich besondere Zeichen, als wenn sie verschiedenen Geschlechtes wären, und hat sich Kaiser Rudolphus IV. ihrer bedienet und gar seltsame Dinge mit ihnen verübet. Unter andern erzählt man, daß sie wie kleine Kinder hätten müssen gebadet werden und zwar mit unverfälschtem Weine. Wenn dieses nicht geschehen, haben sie ein Geheul angefangen wie neugeborne Kinder, welche erst vom Mutterleibe kommen, auch nicht eher nachgelassen, bis ihnen ihre ordentliche Pflege widerfahren ist.

Quellen:


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