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sagen:deutschemaerchenundsagen325

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Teufel sonder Kopf

  Mündlich
  Kunst en Letter - Blad. 1843. S. 100.

Auf dem Heerwege zwischen Löwen und Bierbeek liegt eine bezauberte Stelle, ein Kreuzweg nämlich, auf dem der Teufel sich häufig zeigt. Wer da um Mitternacht vorbeikommt, der empfindet schon von Weitem einen starken Geruch, wie von Pech und Schwefel; dann übrigens ist es Zeit, sich platt mit dem Bauche auf die Erde zu werfen, denn der Teufel naht, und bleibt man aufrecht, dann ist man sicherlich verloren. Er erscheint gewöhnlich in folgender Gestalt. Einen Kopf hat er nicht, die Augen stehen ihm gleich unter den Schultern, und an der Stelle, wo der Magen liegt, befindet sich sein Mund, aus dem eine glühende Zunge herausleckt. Sieht der Böse, daß man platt an der Erde liegt, dann beginnt er seine Beute zu schlagen und zu rollen, bis man todesmatt kaum noch ein Wort hervorzubringen vermag. Ist er so weit, dann schreit er: „Du Höllenbrut, du, ich muß glühende Buttermilch für neunundneunzig Verdammte kochen und du sollst der Hundertste sein.“ Das ist aber nur eine letzte Probe und ein letzter Strick, den er spannt. Glücklich, wer dann Geistesgegenwart genug hat, zu antworten: „Hoho, Freund, du hast den Kopf gewiß verloren. Mit dir gehe ich wahrlich nicht.“

Gäbe man die Antwort nicht, dann mußte man selbst die Suppe für Neunundneunzig kochen und als Teufel sonder Kopf umwandeln, bis man einen Stellvertreter fande; darnach würde man Werwolf und bliebe dies so lange, bis ein Mann im Stande der Gnade uns eine tödtliche Schußwunde zubrächte.

Quellen:


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