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Teufel geleitet den Ritter
Caesar heisterbac. dial. mirac. d X. с. 11.
Ein Abt von Naumburg erzählte dem Cäsarius oft folgende Geschichte:
Eine Besessene sollte in der Kirche überlesen werden, als sie plötzlich ausfuhr und rief: „Er kommt! Er kommt!“ Jedermann fragte sie, wer denn käme, jedoch sie sprach nur: „Ihr werdet ihn schon sehen.“ Als nun bald darauf ein durch seine Waffenstärke weit berühmter Ritter in die Kirche trat, jubelte sie: „Da ist ja mein Freund, da ist er!“ Der Ritter erschrak darob und sprach: Was sagst du? Bin ich dein Freund?“ „Ja, gewiß, „antwortete der Böse aus des Mädchens Munde, mein allerbester, denn du thuſt stets meinen Willen.“ „Ei, du bist doch ein dummer Teufel, „sprach der Ritter lächelnd; wenn du klüger wärest, dann zögst du mit uns aufs Turnier, wo die Männer sinken wie Schneeflocken. Da sitzest du aber hier und quälst das arme, unschuldige Mädchen.“ - Bist du es zufrieden, „fragte der Teufel alsdann, ich gehe mit dir; laß mich nur in dich fahren.“ Das wollte der Ritter aber keineswegs und sprach kurz: „Nein, das geht nicht.“ - „Dann laß mich auf deinem Sattel sitzen,“ bat der Teufel; doch auch das wollte der Ritter nicht, ebensowenig, daß er sich anderswo aufs Pferd oder auf den Baum sehe. Da sprach der Bose endlich: „Zu Fuße kann ich nicht laufen, du must mir irgend ein Platz chen geben.“ Den Ritter jammerte das Mädchen zu sehr, als daß er dem Teufel die Bitte hätte abschlagen können, und er wies ihm ein Eckchen in seinem Mantel an, aber unter der Bedingung, daß der Bose ihm nichts zu Leide thue und so lange bei ihm bleibe, als die Turniere dauerten. Deß war Satan zufrieden und sprach: „Ich thue dir nichts, im Gegentheil, ich werde dir nur zum Vortheile sein.“ - „Und du wirst von mir weichen, sobald ich will?“frug der Ritter weiter, und das gelobte der Bose auch und schwang sich husch in des Kampen Mantel. Seit dem Augenblicke war dessen Lanze unwiderstehbar und wer vor sie kam, sank; wen er gefangen nehmen wollte, der mußte sich ergeben.
Wo der Ritter von dem Augenblick an stand und ging, da war der Teufel bei ihm, sprach und unterhielt sich mit ihm. Betete der Ritter in einer Kirche zu in nig, dann raunte ihm der Böse zu: „Brumm nicht wieder so viel;“ und sprengte sich derselbe mit Weihwasser, dann hieß es: „Nimm dich in Acht, daß du mir nicht zu nahe kommst. „So dauerte das fort bis zur Zeit, wo die Kreuzprediger das Land durchzogen und die Glaubigen zum Zuge gegen die Ungläubigen aufriefen. Da wollte denn der Ritter auch in eine Kirche gehen und sich mit dem Kreuze zeichnen lassen, aber der Teufel hielt ihn zurück und sprach: „Was willst du da thun?“ „Gott dienen und dir entsagen,“antwortete der Ritter;“weiche darum von mir.“ Das gefiel dem Bösen aber nicht und er sagte: „Was misfällt dir denn so sehr an mir? Ich habe dir doch nie Uebles gethan, sondern bin dir immer zu Nuk gewesen; mir verdankst du deinen glorreichen Namen. Willst du es aber durchaus, dann muß ich dich lassen, denn ich habe es dir versprochen und zugeschworen.“- „Ich nehme das Kreuz,“ sprach der Ritter, und darum gehe von mir; ich beschwöre dich in Christi Namen.“ Da wich Satan.
Der Ritter aber zog zum heiligen Lande und kämpfte dort zwei Jahre gegen die Ungläubigen und als er zurückkehrte, baute er ein großes Hospital für Kranke und Pilger und zog sich endlich auch dahin mit seiner Frau ein Geschenk. Der Priester dachte bei sich, das könne Niemand anders sein, als Christi Mutter, die benedeite Jungfrau Maria und der könne er kein lieberes Geschenk bringen, als ihres lieben Sohnes heiligen Leib. Als nun die Reihe an ihm war, da trat er auch gar demuthig zu ihrem Throne und legte ihr das Büchslein mit den Hostien auf den Schoos, aber im selben Augenblicke verschwand sie mit den andern Allen und den Priester umgab dickes Dunkel. Er rief Gottes Hülfe und Beistand an und suchte sich mit vieler Mühe einen Weg durch Wälder und Büsche und fand nach langem Wandern einen Hirten, von dem er erfuhr, daß er über hundert Meilen von dem Orte entfernt sei, wohin er die heilige Wegzehrung hatte bringen sollen.
Quellen:
- Johannes Wilhelm Wolf, Deutsche Märchen und Sagen, Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
