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sagen:deutschemaerchenundsagen317

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Den Teufel beschwören

  Caesar. heisterbac. dial. mirac. V. c. 2.

Ritter Heinrich von Falkenstein glaubte nicht an den Teufel, sprach auch öfters darüber mit dem Abte Cäsarius von Prüm, der ihm stets vergebens bewies, daß es doch einen Satan gäbe. Einst hörte Ritter Heinrich von einem Geistlichen, Namens Philipp, reden, der ein großer Meister war in der schwarzen Kunst, und zu diesem begab er sich und bat ihn, daß er ihm doch einmal den Teufel zeigen wolle. Meister Philipp suchte ihm das auszureden, indem zu viel Gefahr damit verbunden sei; aber der Ritter mochte von nichts hören und bestand nur auf seiner Bitte. Da versprach ihm endlich Meister Philipp, seinem Wunsche zu genügen und beschied ihn zu dem Ende auf einen Kreuzweg; als der Ritter dahin kam, zog der Meister einen Kreis um ihn mit einem Schwerte und sprach: „Wenn eines von euern Gliedern vor meiner Rückkehr über diesen Kreis hinaus rührt, dann seid ihr verloren,“ ermahnte ihn auch, daß er nichts von sich gebe, noch verspreche, auch daß er sich nicht bekreuze, und fügte hinzu: „Der Teufel wird dich auf alle Weise versuchen und erschrecken wollen, doch kann er dir nicht schaden, so lange du meinem Rathe folgest; „mit den Worten verließ er ihn. Als der Ritter nun so allein in dem Kreise saß, sah er plötzlich gewaltige Fluthen auf sich zuströmen; gleich darauf hörte er Gegrunze von Schweinen, lautes Gewuthe, wie von einem Sturme und anderes Getose mehr, womit der Böse ihn erschrecken wollte; aber er hielt sich stark und blieb unbeweglich.

Zuletzt erschien in dem nahen Walde ein die höchsten Bäume überragendes Schattengebilde in Menschengestalt und das nahte dem Kreise und fragte den Ritter, was er wolle. Dieser erkannte alsbald, daß es der Böse sei, denn der Riese war ganz schwarz und übermaßen häßlich und trug ein Kleid, so schwarz, wie er selbst. Auf die Frage antwortete der Ritter sonder Zögern: „Du thatest wohl, zu kommen, denn ich wunschte herzlich, dich zu sehen.“ – „Was willst du denn von mir? „frug der Bose weiter und Herr Heinrich entgeg nete: „Ich hatte stets so viel von dir gehört, daß ich neugierig wurde.“ „Was hast du denn von mir gehört? „fuhr der Teufel fort und der Ritter sprach:„Wenig Gutes und viel Böses.“ - „Das konnte ich denken,“sagte der Böse, denn die Menschen richten und verurtheilen mich oft ohne die mindeste Ursache. Ich schade Keinem, thue Keinem Leides, wenn man mich nicht dazu zwingt; deß ist dein und mein Freund, Meister Philipp, Zeuge und den magst du fragen, ob ich ihm je etwas in den Weg legte. Was er will, das will ich und so umgekehrt; auf seinen Ruf bin ich auch her zu dir gekommen.“ Da fragte der Ritter: „Wo warst du denn, als er dich rief? „und der Bose antwortete: „So weit auf der andern Seite des Meeres, als es von hier bis zum Meere ist; da ich nun aber den weiten Weg um deinetwillen machte, wäre es doch wol schicklich und Recht, daß du mir ein kleines Geschenk gäbest.“ - „Was hättest du denn gern? „fragte Herr Heinrich und Satan entgegnete: „So gib mir nur deinen Mantel.“ Da der Ritter den nicht geben wollte, bat der Bäse um den Gürtel und endlich um ein Schaf aus seiner Heerde, und als er auch das abschlug, um den Haushahn. Das wunderte Heinrich und er fragte: „Ei, was willst du denn mit meinem Haushahne?“ Darauf entgegnete der Teufel: „Ich hatte ihn gerne, damit er mir krähe.“ „Wie würdest du ihn denn holen?“ fragte der Ritter weiter und der Böse antwortete: „Darum sorge nicht, gib mir ihn nur.“ Als Herr Heinrich aber darauf ebensowenig, als auf alles Andre eingehen wollte, wurde der Teufel böse und streckte seine gewaltige Krallenfaust nach ihm, als ob er ihn fassen wollte; darüber erschrak der Ritter so, daß er laut um Hülfe schrie. In demselben Augenblicke lief Meister Philipp herbei und zugleich verschwand der Böse. Seit der Zeit hat Herr Heinrich seine frühere frische und gesunde Farbe ganz verloren und auch in seinem ganzen Leben selbe nicht wiederbekommen.

Quellen:


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