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sagen:deutschemaerchenundsagen312

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Des Teufels Plagereien

  P. Greiffenstein, Fluchteuffel. C. 6. S. 102. 
  Simon de Vries, Histor. Ocean S. 58.

Ein schwedischer Soldat, der Anno 1642 mit dem Heer in Deutschland stand und von dem man selten oder nie einen Fluch gehört, wurde im Blüthenmonat des genannten Jahres bei seinem Hauptmann einer schweren Sache angeklagt und mußte, obgleich er unschuldig war, nicht nur derbe Verweise anhören, sondern auch seinen Rücken noch zu tüchtigen Schlägen herhalten. Das brachte ihn in eine also rasende Wuth, daß er bei sich selber sprach: „Ehe es Morgen wird, hat der Hauptmann den Rest, oder der Teufel plage mich auf alle Art.“ Das trug sich zu an einem Nachmittag; noch ehe es Abend wurde, stieg der Hauptmann zu Pferde und ritt nach einem fünf deutsche Meilen entlegenen Orte, so daß der Soldat sein Vorhaben unmöglich vollführen konnte.

Am andern Morgen, als er erwachte, öffnete sich die Thür seines Zimmers, und ein langer schwarzer Mann von scheußlicher Gestalt trat herein, trat recht vor sein Bett und verschwand. Wie sehr er darüber in Angst gerieth, das kann man leicht denken; doch kleidete er sich an, sprach Niemanden davon und ging aus, seiner Gewohnheit zufolge. In der folgenden Nacht sah er unerwarteter Weise ein Leuchten, wie das einer großen Flamme, um seine Bettstelle herum, und gleich darauf denselben schwarzen Kerl, der ihn jammerlich schlug. Er rief erbärmlich um Hülfe, aber keiner von denen, die um ihn waren, sah etwas von dem all. Da bat er einen andern Soldaten, in der kommenden Nacht doch bei ihm schlafen zu wollen; das that der auch, aber nun wurde der arme Mensch gar aus dem Bette gezogen und bekam noch mehr Schläge als in der verwichenen Nacht, ohne daß jedoch sein Geselle etwas davon gewahr wurde; nun wollte weder der, noch ein anderer Soldat ferner noch bei ihm schlafen.

Oftmals sah er, wenn er am Tage ausging, einen häßlichen Drachen, einen feurigen Vogel oder ein glühend Rad um sein Haupt schnurren und sausen. Einmal entfiel ihm sein Handschuh; als er meinte, denselben auf zuheben, faßte er eine große Kiste. Einige Male, wenn er neben andern Soldaten in Reihe und Glied stand, bekam er einen so harten Schlag an die Ohren, daß er zu Boden stürzte; niemand jedoch konnte sehen, von woher der Schlag gekommen war. Das dauerte etwa vierzehn Tage; nach deren Verlauf fand man ihn eines Morgens todt im Stadtgraben liegen. Ob er sich selbst hineingestürzt, oder von Satan hineingeworfen worden, das weiß man nicht.

Quellen:


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