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Sankt Marten und der Teufel
Mündlich
Neben der Kirche der alten Abtei von Ackerghem zu Gent ist ein kleines Sträßchen, welches nach dem Wasserthore, Scheiergat genannt, führt. Durch dies Sträßchen kam einst Sankt Marten geritten und der Teufel kam von der andern Seite. „Aus dem Wege!“ rief Sankt Marten, aber der Teufel sprach: „Ich habe hier soviel Recht, als du.“ „Aus dem Wege!“ rief Sankt Marten zum andern Male, doch der Teufel wollte nicht und sprach: „Das thue ich nicht.“ „Aus dem Wege!“ schrie Sankt Marten, der nun gewaltig bose wurde, aber der Teufel lachte und sprach wieder: „Nein, ich thue es nun einmal nicht.“ Da erzürnte Sankt Marten noch mehr und faßte den Teufel bei der Kehle und druckte ihn dermaßen gegen die Mauer, daß der Böse durch und durch fuhr. Das Loch, welches dadurch entstanden, hat man nie zumachen können und ist dasselbe noch heutigen Tages zu schauen.
Quellen:
- Johannes Wilhelm Wolf, Deutsche Märchen und Sagen, Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
