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sagen:deutschemaerchenundsagen295

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Der alte Schwan

  Beschryving der stad Ypre. Ms. der Stadtbibliothek zu Ypern. s. a. 

Im Jahre 1307 auf den zweiten Tag einer Hochzeit geschah es in Ypern, daß einige der Hochzeitgäste nach dem Essen in einem kleinen Nachen die Stadtgräben durchfuhren. In diesen Gräben befanden sich seit drei Jahren zwei große Schwäne, die in einem Schwanhäuschen inmitten des Wassers wohnten. Während die Gäste nun so herumruderten, sahen sie, wie von ferne ein großer, alter Schwan herangeflogen kam, der sich auf das Wasser niederließ. Das sahen die zwei andern Schwäne aber nicht sobald, als sie auf ihn zuschwammen und ihn angriffen. Der große Schwan vertheidigte sich gar wohl, doch das half ihm wenig, die Gäste liefen und holten Bogen und Pfeile und schossen auf ihn, daß er todt ins Wasser niedersank. Dann zogen sie ihn aufs Land und gaben ihn den Knechten, um ihm die schönsten Federn auszureißen.

Da fand man unter den Federn ein Halsband von feinem Golde, welches zwei Daumen breit war und auf dem die Worte standen: Dieses Halsband ist diesem Schwane umgelegt worden durch Ludwig VI, König von Frankreich, zu Zeiten des Todes Karls des Guten zu Ypern im Jahre 1127. Dieser Schwan war also über 180 Jahre alt, welches nicht schwer zu glauben ist; denn man rechnet die Lebenszeit eines Hundes zehn Jahr und drei Lebensalter eines Hundes auf das eines Pferdes, drei eines Pferdes auf das eines Menschen, drei Lebensalter eines Menschens aber auf das eines Schwanes, drei eines Schwanes auf das eines Hirsches und drei eines Hirsches auf das eines Drachen, welches ausmacht 2130 Jahr.

Quellen:


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