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sagen:deutschemaerchenundsagen290

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Der gekrönte Schuh

  Klugtvertelder S. 18. 
  Mündlich. 
  De heerlyke en vrolyke daden van Keyzer Karel V. S. 81. 

Es geschah einmal binnen Brüssel, daß die Frau eines Schuhlappers zu Markte ging und allda eine recht fette Gans kaufte. Kaiser Karl sah das und sandte ihr einen seiner Diener nach, um zu erfahren, wo sie wohne; als er das wußte, ging er Abends zu ihr in ihren Keller, hatte zerrissene Stiefeln an und bat den Schustermeister, die Löcher mit ein Paar Stichen zuzunähen. Der Schuhlapper sprach, er habe den Abend keine Zeit dazu, denn heut wäre seine Vergansung und in so fröhlicher Zeit nehme er keinen Schuh in die Hand. Inzwischen deckte die Frau den Tisch und sekte die Gans darauf und die roch so lecker, daß dem Kaiser der Mund wässerte. „Ihr habt mir zwar mein Begehr abgeschlagen und meine Stiefeln nicht machen wollen,“ sprach er zu dem Schuster, „aber eure Gans riecht mir so gut in der Nase, daß ich euch dafür Dank schuldig bin,“ und mit den Worten gab er dem Schuster ein Stück Geld, um ein Fläschchen Wein dafür zu kaufen. Früher hatte der Mann zwar den Kaiser auf die Hobokenheide 1) gewunscht, nun aber war er so vergnügt als je, bat ihn niederzusitzen und legte ihm von der Gans und von allem andern vor, was da war, und Karl aß und trank und erlustigte sich weidlich in dem Schuhlapperskeller, schied auch erst spät in der Nacht.

Am andern Tage ließ er den Schuster zu sich an den Hof entbieten. Im ersten Augenblicke faßte den Meister große Furcht, doch überwand er die bald und machte sich auf den Weg. Als er nun den Kaiser sah und seinen Gast wiedererkannte, da wurde es ihm doch wieder unheimlich zu Muthe, doch der Kaiser that gar freundlich und fragte ihn, welchen Lohn er für die leckere Abendmahlzeit begehre? Der Meister bedachte sich einen Augenblick und sprach dann, so möge der Kaiser denn seiner Zunft zum Andenken an diesen Vorfall einen gekrönten Schuh in's Wappen geben, welches Karl zu allgemeiner Freude der ganzen Stadt zugestanden.

Quellen:


1)
bei Antwerpen, der deutsche Blocksberg
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