<<< vorherige Sage | Deutsche Märchen und Sagen | nächste Sage >>>
Kaiser Karl und der Rübenkäs
Mündlich Vermaekelyken Klugtvertelder ofte opregten Guychel = Boek. Gent. S. 16.
Als Kaiser Karl (V) noch jung war, da kam er einmal im Waeslande zu einem Bauer und bat denselben, ihm etwas zu essen zu geben. Der Bauer hatte grade zwei leckere Käse mit Rüben gefüllt im Hause und sekte den einen dem Karl vor als das Beste, was er habe; den anderen gab er ihm mit. Karl wollte sich dankbar dafür bezeigen und schenkte dem Bauer so viel Land dafür, als er in zwei Tagen mit zwei Pferden umwerfen könne. Da war nun der Bauer überglücklich und wenige Stunden nachher wußte das ganze Dorf davon. Sein Nachbar aber, ein reicher Gutsbesiker dachte, dem Kaiser etwas Edleres und Schöneres zu verehren als einen Rübenkäs, und kaufte zwei schöne Kutschpferde, zog dem Kaiser nach und schenkte ihm die Pferde. Da dankte der Kaiser ihm höflich und ließ den einen Růz benkäse bringen, den er noch ganz hatte, schenkte diesem hinwieder dem Gutsbesiker. Der war deß aber wenig zufrieden und murrte vernehmlich darob. Was murrst du? „ fragte Karl, der Käse hat mir mehr gekostet, als dir deine Pferde. “
Quellen:
- Johannes Wilhelm Wolf, Deutsche Märchen und Sagen, Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
