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Bern
Sebast. Münsters Cosmographia. S. 559.
Bertholf der Vierte von Zähringen baute seiner Zeit die beiden Städte Freiburg im Breisgau und Freiburg im Nüchtland. Er war ein strenger und gerechter Mann. Man sagt von ihm, er habe das Leisten, so nennt man die Geißelschaft, in das Land gebracht. Damit aber die stadthaften Leute, so allenthalben in diesem Land gesessen, besser Schirm und Frieden hätten, ward er zu Rath, noch eine Stadt in dem Lande zu bauen bei seinem Schlosse Nideck, in einer Gegend, so man nennet im Sack, und war daselbst ein großer Eichenwald. Auf eine Zeit als Bertholf jagte, sprach er: „Die neue Stadt soll genannt werden nach dem ersten Thier, so gefangen wird. “ Sie fingen aber einen Bären. Auf der Stelle, wo die Stadt gebaut wurde, stand viel schones Bauholz, aus dem nicht wenig Häuser gezimmert wurden. Bei dem Abhauen ward ein Sprichwort unter den Werkleuten, welches also hieß: Holz, laß dich hauen gern, Die Stadt muß heißen Bern.
Quelle: Johannes Wilhelm Wolf, Deutsche Märchen und Sagen, Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
