<<< vorherige Sage | Deutsche Märchen und Sagen | nächste Sage >>>
Hildemarka
Aus mündlicher Quelle mitgetheilt von Dr. Coremans.
Im Soinewalde bei Brüssel auf der Stelle, wo man nun noch die Trümmer der Jackosburg sieht, wohnte vor Zeiten ein böser Waldgeist. Dieser entführte eines Tages eine Jungfrau edeln Geschlechtes, welche Hildemarka hieß und von ungemeiner Schönheit war. Er wollte sie zu seinem Weibe machen und sie zwingen, vor dem obersten Waldgeiste die Knie zu beugen; doch das wollte Hildemarka nicht. Sie sprach: „Töte mich und thu mit mir, was du willst, ich will gerne den Tod erleiden um Christi willen.“ Bei diesem Entschlusse beharrte sie auch trotz allen Zauberkinsten, welche der Waldgeist anwandte, sie zu verführen. Als er endlich sah, daß Alles nichts half, versenkte er sie in einen siebenjährigen Schlaf. Nachdem diese Zeit nun um war, fragte er sie abermals: „Willst du Chriſtus entsagen und meine Frau werden?“ „Nein“ sprach Hildemarka. Da erzürnte der Waldgeist und sandte einen dreimal siebenjährigen Schlaf über sie. Als sie nun daraus auch wieder erwachte, trat der Waldgeist wieder vor sie und sprach: „Nun bete unsern Meister an und werde meine Frau.“ Doch Hildemarka erwiederte, sie wolle lieber gleich des Todes sterben. Nun wurde der Waldgeist über die Maßen zornig und wollte sie in einen siebenmal siebenjährigen Schlaf werfen; da aber kam ein Engel und führte sie aus seiner Höhle heraus und in ein Kloster, in welchem sie in hohem Alter und im Rufe der Heiligkeit starb.
Quellen:
- Johannes Wilhelm Wolf, Deutsche Märchen und Sagen, Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
